Zuerst ist da nur ein flüchtiger Fleck am Horizont. Etwas Kleines, fast Unwirkliches, das in der Wüstenhitze schimmert, während die Sonne langsam untergeht. Eine Fata Morgana, so denkt man – bis das Geräusch ertönt: Ein fernes, anschwellendes Dröhnen durchdringt die Stille und wird mit jeder Sekunde lauter. Als das Geschoss näherkommt, löst sich das Rätsel auf: es ist ein leuchtend blauer Ferrari, flach und breit, der über die leere Wüstenstraße schießt, während die Dünen im Abendlicht golden erstrahlen. Als der V12 seine volle akustische Kraft entfesselt, ist es unverkennbar: Dies ist nicht irgendein Ferrari, sondern ein extrem seltener und maßgefertigter Ferrari F12tdf, ein Einhorn-Supersportwagen wie aus einem Märchen – Tausendundeine Nacht mit 780 PS.


Die Stadt zieht zieht den Fahrer hinter dem Steuer mit ihrer Schwerkraft an, und der Gran Turismo rast dem Sonnenuntergang entgegen. Die Wüste verschwindet hinter ihm mit den letzten Sonnenstrahlen, während Dubais ikonische Skyline vor ihm in der Dunkelheit erstrahlt. Die Nacht bricht schnell herein. Neonreflexionen huschen über die Flanken des Ferraris, als er mit hoher Geschwindigkeit über die menschenleeren Boulevards rast, der Saugmotor- heult bis zum Drehzahlbegrenzer bei 8.900 U/min auf. Die Straßen sind breit, die Gangwechsel heftig, und die Atmosphäre ist purer Exzess. Das Finale ist unausweichlich: ein kontrollierter Ausbruch von Reifengummi und Donuts auf dem Asphalt, während zwölf Zylinder in die warme Nachtluft singen.


Was den Ferrari F12tdf selbst in einer Stadt wie Dubai, in der die Supersportwagen zum Straßenbild gehören, so bemerkenswert macht, ist seine einzigartige Stellung in der Geschichte von Ferrari. Mit 780 PS aus einem 6,3-Liter-V12-Motor, Hinterradantrieb, radikaler Aerodynamik, die 230 kg Abtrieb erzeugt, direkterer Lenkung, strafferem Fahrwerk, kürzerer Übersetzung und einem fast rennwagenmäßig abgestimmten Chassis ist er einer der extremsten Vertreter der Frontmotor-V12-Familie von Ferrari.
Sein Name ist eine Hommage an die Tour de France Automobile, ein französisches Straßenrennen, das in den 1950er-Jahren vom legendären Ferrari 250 GT Berlinetta TdF dominiert wurde. Das Auto war wie geschaffen, um lange, schnelle Landstraßen bereits zum Frühstück zu bezwingen. Der moderne TdF steht seinem Vorgänger in nichts nach: Entworfen von Ferraris Designchef Flavio Manzoni und limitiert auf nur 799 Exemplare, markiert er den Höhepunkt der Ära der Saugmotoren bei Ferrari. So hat sich der F12tdf bereits zu einem der begehrtesten modernen Ferraris entwickelt – ein zukünftiger Klassiker, der sich sowohl in der Wüste als auch in der Nacht wie zu Hause fühlt.


Dieser Ferrari F12tdf aus dem Jahr 2016 – der Star unseres „Night Drive“ – ist übrigens ein echtes Einzelstück und ein außergewöhnlich gut ausgestattetes Exemplar. Gefertigt wurde er nach den individuellen Wünschen seines polnischen Erstbesitzers in Ferraris Tailor-Made-Abteilung. Allein die fünfschichtige Lackierung im eigens komponierten Farbton Blu Krawczyk ist ein echter Hingucker. Ergänzt wird der individuelle Charakter des Einzelstücks durch zahllose kreative Details wie etwa die matten Canna di Fucile- Felgen mit gelben Bremssätteln. Carbonfaser-Zierelemente sind auch reichlich vorhanden: Nebelscheinwerfer, Scheinwerfergehäuse, Türverkleidungen und die Verkleidung der Rücksitzbank sind allesamt aus Carbonfaser gefertigt. Der Innenraum wurde aufwendig mit schwarzem Alcantara, Akzenten in Baby Blue und Rennsitzen aus Kohlefaser individualisiert. Der F12tdf ist damit ein absolutes Unikat innerhalb des Ferrari-Atelierprogramms. Vor einigen Jahren gelangte der Wagen von Polen in die Vereinigten Arabischen Emirate – wo seine Sonderlackierung und Ausstattung im warmen Wüstenlicht noch eindrucksvoller zur Geltung kommen.





























































