


In den Händen von Volkswagen hat sich Bugatti auf zweitürige Hypercars mit Mittelmotor konzentriert, vom Veyron bis zum Chiron. In der goldenen Vorkriegszeit bot die Marke aus Molsheim jedoch weit mehr als nur agile Sport- und Rennwagen wie den Type 35 an. Ettore Bugatti versorgte auch Monarchen und Staatsmänner mit prunkvollen Limousinen wie dem Type 41 Royale. Dieser beeindruckte durch seinen gewaltigen Reihenachtzylinder und seine enormen Ausmaße. Diese bis zu 200 km/h schnellen Autos, hätten selbst Cruella de Vil vor Neid erblassen lassen. Als der italienische Unternehmer Romano Artioli die Marke Anfang der neunziger Jahre wiederbelebte, wollte er die Tradition der luxuriösen Viersitzer wieder aufleben lassen. Aus dieser Initiative heraus entstand der außergewöhnliche EB112.
Der EB112 wurde als markantes viertüriges Fastback entworfen. Er übernahm das Carbon-Chassis des Mittelmotor-Sportlers EB110, wobei das Layout komplett auf den Kopf gestellt wurde. Die Ingenieure in Campogalliano platzierten den V12-Motor aus Platzgründen unter der Fronthaube der Limousine. Der Hubraum wurde auf 6,0 Liter vergrößert. Zudem entfernte man die Turbolader des EB110 und setzte stattdessen auf einen Saugmotor, um eine geschmeidige Leistungsentfaltung zu gewährleisten.
Der Zwölfzylinder leistete 460 PS bei 6.300 Umdrehungen pro Minute und ein Drehmoment von 590 Newtonmetern. Ein manuelles Sechsganggetriebe und ein hecklastiger Allradantrieb machten den EB112 zu einem echten Fahrerauto. Artioli selbst beschrieb das Fahrverhalten später als kartähnlich, obwohl die massige und etwas schwülstig geratene Karosserie auf den ersten Blick etwas anderes vermuten ließ. Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h fuhr der komfortorientierte Bugatti im automobilen Oberhaus ganz vorne mit.



Das Interieur gab einen Ausblick auf das Veyron-Cockpit
Während der EB110 ein modernes Keildesign hatte, griff Giorgetto Giugiaro bei seinem Entwurf für den EB112 deutlich tiefer in die Bugatti-Historie zurück. Ein markanter Längssteg auf dem Dach und das geteilte Heckfenster erinnerten an den legendären Type 57 SC Atlantic. Das Raddesign wiederum zitierte die massiven, belüfteten Aluminium-Räder des Type 41 Royale. Der Hufeisen-Kühlergrill fiel beim EB110 ziemlich klein aus. Beim EB112 kehrte er dagegen als stolzes Herzstück zurück, das die bauchige Front dominiert. Im Innenraum wurden Metallpaneele im klassischen Perlschliff mit einer gestalterischen Zurückhaltung gepaart, womit rückblickend bereits das Cockpit des Veyron vorweggenommen wurde.



Es existieren nur drei Exemplare des EB112. Ein fahrbereiter Prototyp wurde 1993 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt, doch der Konkurs von Bugatti Automobili im Jahr 1995 stoppte die Entwicklung vorzeitig. Dieses Auto hier wird am 25. April von RM Sotheby’s in Monaco versteigert und soll laut Prognose des Auktionshauses für 1,5 bis 2 Millionen Euro den Besitzer wechseln.
Auch die Historie des Autos ist eng mit dem Fürstentum verbunden. Der monegassische Geschäftsmann Gildo Pallanca Pastor erwarb die verbliebenen Fahrgestelle und stellte schließlich zwei Exemplare fertig. Bis heute ist kein viertüriger Bugatti in Serie gegangen. Das macht den EB112 zur einzigen Gelegenheit, eine moderne Limousine der Marke zu besitzen und zu fahren. Dieses unglaublich seltene Auto wurde zwar einige Male auf dem Asphalt von Monte Carlo gesichtet, über Monacos Grenzen hat er es dagegen nur selten herausgeschafft – das Unikat hat lediglich 388 Kilometer auf dem Tacho.


















































