


Ford hat im Laufe seiner über 120-jährigen Unternehmensgeschichte einige unvergessliche Autos produziert. Vom Model T über den Mustang sowie den RS200 und Escort Cosworth bis zum F150 Pick-up – egal, welches Fahrzeugsegment man sich auch anschaut, die Wahrscheinlichkeit war immer groß, dass ein Ford unter den Spitzenreitern rangierte. Das galt auch für den Motorsport, in dem der Ford GT40 in den 1960er-Jahren vor allem durch seine Le-Mans-Siege gegen Ferrari und später Porsche zum beliebtesten Rennwagen der Marke avancierte und ein mythisches Märchen schuf, das bis heute zu den unvergessenen Höhepunkten des Langstreckensports zählt.

Aber die Mythologie ist die einfache Seite der Medaille. Schwieriger zu verstehen ist, wie etwas, das so fokussiert und konzipiert wurde, jemals mit Details eines Straßenautos wie Türtaschen und Teppichen ausgestattet werden konnte. Genau das macht dieses Exemplar, das am 27. Februar 2026 bei der Auktion von RM Sotheby's in Miami angeboten wird, zu einem so faszinierenden Objekt.
Beginnen wir mit dem Detail, das dieses Auto innerhalb der ohnehin schon extrem seltenen Modellreihe herausragen lässt. Die Gesamtproduktion des GT40 in allen Varianten wird oft mit etwa 133 Fahrzeugen angegeben. Der Mk I trägt die ursprüngliche Silhouette, welche die meisten Menschen mit einem Ford GT40 verbinden. Er ist kompakt, brutal und berühmt für seine Höhe von nur 40 Zoll (101,6 Zentimeter) – die ihm den Namen gab. Innerhalb der Mk I-Produktion gehört dieses Auto zu einer noch kleineren Gruppe aus 31 straßenzugelassenen Mk I-Einheiten. Warum sich Ford die Mühe gemacht hat? Nun, wie in vielen anderen Fällen spielte auch hier die Homologation eine Rolle. Die straßentauglichen Mk I waren Teil der Bemühungen von Ford, die Bedingungen der FIA-Gruppe 4 zu erfüllen und eine Einstufung als Prototyp zu vermeiden. Als Konsequenz musste sich das Rennmonster als etwas verkleiden, mit dem man theoretisch Milch holen könnte, befände sich der örtliche Lebensmittelladen am Ende der Hunaudières-Geraden im Dorf Mulsanne.



Dennoch sollten Sie keine träge Kraftentfaltung oder gar Luxus erwarten. Ganz ohne Annehmlichkeiten wurden diese Mk1 dennoch nicht ausgestattet, wovon an den Kotflügeln montierte Seitenspiegel, ein an der Windschutzscheibe montierter Rückspiegel, Rückfahrscheinwerfer, eine beheizbare Windschutzscheibe, mit Leder bezogene Sitze, Türtaschen, der unverzichtbare Aschenbecher samt Zigarettenanzünder und ein vollständig mit Teppich ausgelegter Innenraum zeugen.

Angetrieben wird dieser Mk1 mit Chassisnummer 1058 von Fords legendärem 289 (4,7 Liter) High Performance V8 mit originalen Weber-Vergasern aus Sandguss in Kombination mit einem Fünfgang-ZF-Transaxle-Getriebe. Diese ist entscheidend für das Mk I-Erlebnis: Der kompakte, hochdrehende V8 mit Weber-Gemischanlagen ist der primäre Grund, warum sich diese Fahrzeuge selbst im Leerlauf so lebendig anfühlen.
Heute präsentiert sich das Auto in seiner ursprünglichen Werksfarbe Carmen Red und mit schwarzer Innenausstattung. Es wurde in den 2000er-Jahren von Harley Cluxton III's Grand Touring Cars in Scottsdale, Arizona, neu lackiert und mechanisch überholt, wobei der Schwerpunkt darauf lag, das Auto wieder in seinen authentischen Zustand zu versetzen. Auch die Innenausstattung wurde aufgefrischt, wobei man sich auch hier bemühte, so viel wie möglich von der Originalpolsterung zu erhalten. Sammler werden die kleinen Details zu schätzen wissen, die darauf hindeuten, dass dieses Auto nicht endlos „umgefrickelt“ wurde. Wie die vernieteten „1058”-Plaketten, die als Beleg für die Authentizität dieses atemberaubenden Exemplars dienen. Das Auto verfügt sogar noch über zwei winzige, boxähnliche Aussparungen hinter den Hinterrädern. Diese „Kofferräume“ waren kaum mehr als Blechkästen, die gerade so die vom Reglement geforderten Standard-Koffer der FIA aufnehmen konnten.



Die Hintergrundgeschichte dieses Exemplars ist ebenso beeindruckend wie sein aktueller Zustand. Es wurde ursprünglich im Dezember 1966 für Werbezwecke von Ford nach Dearborn, Michigan, geliefert. Als Teil einer Gruppe von sieben GT40, die aus dem Werk von Ford Advanced Vehicles im britischen Slough verschickt wurden. Das in Carmen Red lackierte Fahrzeug wurde im Februar 1967 offiziell dem „Ford Promotion and Disposal Program“ zugewiesen und verschwand nicht sofort in einer Privatsammlung. Es war ein GT40, der die Runde machte, ein Halo-Car, das die Menschen dazu brachte, stehen zu bleiben, zu staunen und dann zum nächsten Showroom-Schaufenster zu gehen, um sich nach einem Mustang zu erkundigen. Nach mehreren Besitzwechseln wurde der Mk I Ende 1968 an David Carroll aus Massachusetts verkauft. Er ließ ihn gelb lackieren, um angeblich der Aufmerksamkeit der örtlichen Strafverfolgungsbehörden zu entgehen – ein objektiv gesehen hoffnungsloses Unterfangen, wenn man einen GT40 fährt. Während dieser Zeit wurde das Auto bei Tonaufnahmen für Fernsehwerbespots eingesetzt, weshalb der V8 sein glorreiches Dröhnen frei erschallen lassen durfte und dabei manchen Tontechniker erschreckte.
1969 ging das Auto an den Rennfahrer John „Skip“ Barber, den Gründer der Skip Barber Racing School, doch schon kurz darauf gelangte er zu Harvey Siegel aus New York City, der ihn jahrzehntelang behielt, in den 1980er-Jahren erstmals restaurierte und in weiß mit blauen Streifen neu lackieren ließ. Seit 2014 befindet sich der Mk1 nun im Besitz des aktuellen Einlieferers, einem angesehenen Sammler aus Texas, der den GT40 weiterhin sorgfältig gewartet und bei Bedarf instandgehalten hat. Im Jahr 2021 wurde der Motor überholt und anschließend ordnungsgemäß getunt. Das längst wieder rote Auto wurde selektiv ausgestellt und gewann 2018 den „Best in Class Award“ beim Keels and Wheels Concours d'Elegance in Seabrook, Texas. Außerdem wurde er bei Solo-Testfahrten auf dem Circuit of the Americas (COTA) in Austin eingesetzt – einem Ort, der nicht passender sein könnte, um einen GT40 daran zu erinnern, wofür er ursprünglich gebaut wurde.



Wenn Sie schon immer einen GT40 haben wollten, der nicht nur die Legende repräsentiert, sondern auch Teil der Kultur ist, die ihn umgab, einschließlich Werbefotos, Showroom-Spektakel, Registrierungs-Unterlagen und vielem mehr, dann ist dies eine einmalige Gelegenheit. Mit einem Schätzwert von 6,5 bis 8 Millionen Dollar werden bei der Auktion von RM Sotheby's alle Augen auf diese Legende mit der Lizenz zum Einsatz auf der Straße gerichtet sein!







































