


„Lang läuft gut“ – unter Aerodynamikern ist dieser Satz fast schon Gesetz. Er beschreibt das strömungstechnische Phänomen, dass Körper mit einer langgestreckten Form die Luft effizienter teilen und Turbulenzen minimieren. Als Idealbild dient dabei der Wassertropfen – vorne rund, hinten lang auslaufend. Diese Grunderkenntnis der Strömungslehre war zwar auch schon den Konstrukteuren des Benz-„Tropfenwagens“ von 1923 bekannt, doch wandte sie ab den 1960er-Jahren im Motorsport kaum jemand so konsequent und experimentierfreudig an wie Porsche. Schon den 908-Vorgängern Carrera 6 und 907 wurden für Einsätze auf ultraschnellen Pisten wie Spa, Le Mans oder Monza „Longtails“ aufgesetzt, um sich zum Beispiel in Le Mans an die 300-km/h-Mauer heranzutasten. Später, mit dem 917 LH, fuhr man nahe an die imaginäre Schallmauer von 400 km/h. Dass die Fahrer dafür etwas weniger Abtrieb in Kurven verschmerzen mussten – geschenkt. Das letzte Wort sprach ohnehin die Stoppuhr, und die log nie.

Das 908 Coupé war der bis dato stärkste Porsche-Sportprototyp, mit einem 335 PS starken Dreiliter-Achtzylinder, der in der Endversion auf 370 PS erstarkte. Anfangs – wie das hier gezeigte Chassis 908-004 – noch mit einem Stahlrohr-, ab Chassis 908-012 mit leichterem Alu-Gitterrohrrahmen. Der hier gezeigte 908-004 und sein Schwesterauto 908-003 feierten bei den 1000 km von Monza im April 1968 ihr Debüt. Für das Rennen auf der kombinierten Piste aus Grand-Prix-Kurs und Hochgeschwindigkeitsoval trugen beide ein von zwei vertikalen Finnen flankiertes Langheck. Kamen die brandneuen 908er wie errechnet locker an die 300-km/h-Marke, litten die neuen Motoren noch unter Kinderkrankheiten. Folge: Nach dem Start von P4 und heißen Duellen in der Anfangsphase mit den Gulf-Ford GT40 zwangen Probleme mit dem Gasgestänge und der Einspritzanlage Ludovico Scarfiotti und Gerhard Mitter schon nach einem Viertel der Distanz zu langwierigen Boxenstopps. Ergebnis: nur Platz elf und Rang drei in der Klasse. Beim zweiten Einsatz, den 1000 km von Spa, kam 908-004 nur im Training zum Einsatz. Weil es am Renntag goss wie aus Kübeln – was den 14 Kilometer langen (alten) Kurs in den Ardennen noch gefährlicher als ohnehin schon machte – entschied sich Vic Elford für den Start in der auf nasser Fahrbahn gutmütigeren Kurzheck-Version.



Danach wurde 908-004 ziemlich schmerzlos aus dem aktiven Dienst genommen – bei Porsche damals nicht ungewöhnlich, erfolgten zu jener Zeit neue Updates in extrem kurzen Abständen. Denn schon in Le Mans rollte das Werk neue Langheck-908er an, mit beweglichen Klappen an den Enden des zwischen zwei Heckflossen gespannten Querflügels. Damit liefen die Autos auf der Hunaudières verbürgte 335 km/h.



Das weitere Schicksal von 908-004 war ab dann eng mit Gérard Larrousse verbunden. Sieger (auf Porsche 911 R) bei der Tour de France 1969, im selben Jahr Zweiter in Le Mans (mit Hans Herrmann auf 908-LH) und später Sportchef von Renault sowie Besitzer eines Formel-1-Teams. Als Kompensation für ausstehende Zahlungen überließ Hans Dieter Dechent, Gründer des Martini & Rossi International Racing Teams, im Mai 1971 das Auto dem Franzosen, der zunächst keine konkreten Pläne damit verfolgte. Am Ende entschied er sich, den ziemlich heruntergekommenen Wagen bei Freisinger restaurieren zu lassen. 2014 stand das Auto wieder fahrbereit da, bestückt mit dem Motor 908-02010 und dem Fünfgang-Getriebe 916/128 sowie seltenen Fahrwerksteilen aus Titan und Magnesium. Nach einem ersten Auslauf bei den 10 000 Tours du Castellet begeisterte der Langheck-Porsche 2016 die Zuschauer von Le Mans Classic, gesteuert von Ex-Porsche-Werksfahrer und Le-Mans-Sieger von 1971, Gijs van Lennep. Erst der seit 2023 aktuelle Besitzer veranlasste die Rekonstruktion auf den Stand des Monza-Rennens von 1968 – mit Startnummer 5, roten Akzenten an Bug und Heck sowie dem authentischen Heckteil.

Im Oktober 2023 feierte dieser exzellent restaurierte 908-LH bei Rennsport Reunion 7 seine USA-Premiere und wurde dort mit Gérard Larrousse wiedervereint. Nun steht dieser frühe 908 mit Stahlrohrrahmen, eines von nur fünf noch existierenden Exemplaren, bereit, bei den nächsten Ausgaben von Le Mans Classic und Rennsport Reunion dem Wind erneut ein Schnippchen zu schlagen. Dieses Wochenende können Sie beim Amelia Concours in Florida bereits einen Blick auf das langgezogene Rennstreckenwunder werfen, wo es von Art & Revs aus Luxemburg in seiner vollen Pracht präsentiert wird. Und falls Sie selbst noch einen Parkplatz freihaben in Ihrer privaten Rennsport-Ruhmeshalle: Der Porsche 908 Langheck steht derzeit auch im Classic Driver Markt zum Verkauf.
Classic Driver berichtet live vom Amelia Concours – folgen Sie uns auf Instagram und YouTube, um die großartigsten Autos auf dem Rasen zu sehen.














































