

Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen die Autokultur so tief im Alltag verwurzelt ist wie in Los Angeles. Wo ein Coffee-run schnell zu einem informellen Concours d’Élégance wird und Canyon-Straßen und palmengesäumte Boulevards eine besondere Kulisse bilden, muss ein Auto mehr bieten als nur gut auszusehen, um aufzufallen. Es gibt zwar viele Modelle, die für diesen Mix aus Stop-and-Go-Verkehr, Strand-Cruising und Canyon-Touren geeignet sind, doch Ryans Mercedes-Benz W124 Coupé, eine Hommage an deutsche Tuning-Größen wie AMG und Lorinser, könnte das Nonplusultra sein.
Wir trafen Ryan in Kalifornien, wo er den Wagen in genau der Umgebung genießt, für die er wie geschaffen scheint. Lange bevor dieses besondere Coupé in sein Leben trat, hatte es ihm die deutsche Kult-Marke bereits angetan. „Ich bin von klein auf Autofan“, erzählt er uns. „Von einer großen Hot-Wheels-Sammlung und ferngesteuerten Autos bis hin zu einem Autobett in meinem Kinderzimmer – Autos waren schon immer meine größte Leidenschaft.“ Auch seine Begeisterung für den Stern begann früh. „Ich erinnere mich, dass ich einen Spielzeug-W202 besaß und schon immer C124-Modelle in unserer Nachbarschaft gesehen habe.“

Wie bei vielen Mitgliedern seiner Generation begeisterte sich Ryan anfangs nicht für die europäische, sondern die japanische Autoszene. Sein erstes Auto war denn auch ein Honda Civic EF, und in seinen frühen Jahren tummelte er sich in der JDM-Community. Doch schon damals war sein langfristiges Ziel klar. „Ich wollte schon immer einen Mercedes besitzen“, betont er. Dieser Moment kam 2012 in Gestalt eines schwarzen W204 C300, und von da an war Mercedes-Benz für ihn so etwas wie ein roter Faden. Heute umfasst seine Sammlung einen schwarzen G550 von 2015, ein schwarzes CLK55 AMG Cabriolet und das hier abgebildete Auto: seinen schwarzen Lorinser 300CE.
Er kaufte den C124 im Mai 2024, nachdem er auf TheMBMarket das Höchstgebot abgegeben hatte. Ursprünglich plante er, ein Coupé im „Hammer“-Stil zu bauen – eines der bekanntesten Beispiele für ein MB-Design ohne B-Säule. Zumal sich dieses Exemplar sowohl farblich als auch stilistisch perfekt für einen ikonischen Hammer zu eignen schien. Doch wie so oft bei solchen Projekten entwickeln sie eine Eigendynamik, sobald die passenden Teile auftauchen. Im Fall von Ryan lief alles darauf hinaus, ein authentisches Lorinser-Kit zu finden, um durch einen Lorinser „Hammer“-Umbau beiden Tuning-Legenden Tribut zu zollen und zugleich einen eigenen Weg zu gehen.


„Die wichtigsten Elemente, die ich vom Hammer übernehmen wollte, waren der farblich abgestimmte Kühlergrill und die AMG Aero 3-Felgen“, erklärt Ryan. Für jeden, der die goldene Ära deutscher Tuner zu schätzen weiß, spricht allein diese Kombination schon Bände. Doch anstatt einer strikten Interpretation eines einzelnen Tuners zu folgen, wählte Ryan einen persönlicheren Weg. Als langjähriger Bewunderer von AMG, Lorinser und Brabus empfand er das Auto als eine Art Dialogplattform zwischen diesen Einflüssen. „Manche mögen argumentieren, dass das nicht der traditionelle Ansatz ist“, sagt er, „aber als jemand mit einer großen Leidenschaft für Mode und Kunst fand ich, dass der Umbau meinen persönlichen Geschmack und Stil widerspiegeln sollte, anstatt strengen Regeln zu folgen.“
Diese Haltung verleiht dem Auto seinen wahren Charme. Denn wir haben hier nicht eine sterile Übung in Korrektheit oder einen gefühllosen Aufbau aus Katalogartikeln vor uns. Sondern eine sorgfältig kuratierte Komposition, Stück für Stück aus weltweit beschafften Teilen zusammengestellt. Einige stammen aus dem Libanon, aus der Türkei und – wie Sie vielleicht schon vermutet haben – aus Japan, während Ryan andere in ganz Europa aufgespürt hat. Die finale Ausstattung versprüht den authentischen Tuning-Charme der späten 80er-Jahre: Lorinser Aero Stoßstangen vorn und hinten, SEC- Nebelscheinwerfer, ein Lorinser Lenkrad und Schaltknauf, Holzapplikationen und eine Lorinser Auspuffanlage. Letztere trägt eines der persönlichsten Details des gesamten Wagens, denn Ryan hat sie von Hand mit 24-karätigem Gold vergoldet. Tatsächlich hat er alle Goldverzierungen am Fahrzeug selbst mittels Bürstengalvanik aufgebracht. Diese Verzierungen hätten – von weniger kundigen Händen ausgeführt – leicht übertrieben wirken können, doch hier wirken sie bewusst eingesetzt und verleihen dem Wagen die erwünschte persönliche Note. Vor dem Hintergrund des schwarzen Lacks erzeugen die goldenen Akzente eine modische Schärfe, die den Charakter des Wagens als luxuriöses und zugleich leicht provokantes Fahrzeug unterstreicht – ganz im Stil von Los Angeles selbst.



Ryans Liebe zur Originalität ist tief verwurzelt. Er nahm sogar direkt Kontakt mit Lorinser in Deutschland auf, um einen originalen Lorinser Schriftzug für die Kofferraumklappe zu erwerben – ein Detail, das viele übersehen würden. Darüber hinaus investierte er in ein Air Lift Performance-Fahrwerk, zugleich wurden viele Fahrwerkskomponenten erneuert, um sicherzustellen, dass das Fahrgefühl dem Low-Rider-Design entspricht. Doch Ryan ist noch nicht fertig: Er überlegt, den C124 mit einem V8-Motor (M113) auszustatten und Recaro-Vordersitze einzubauen. Ansonsten sind seine Ambitionen jedoch erfreulich einfach: Er möchte seine Sammlung stetig erweitern und weiterhin klassische Mercedes-Benz-Modelle bauen, restaurieren und Spaß mit ihnen haben.
Wenn der Großraum Los Angeles eine stark von einem gewissen Image geprägte Megalopolis ist, dann passt Ryans W124 Coupé perfekt dorthin. Doch noch wichtiger: Es untermauert seinen Auftritt mit Substanz, einer Geschichte und echter Begeisterung. In einer Car Culture, die krampfhaft um Aufmerksamkeit buhlt, gelingt diesem schwarz-goldenen 300CE etwas weitaus Schwierigeres: Er wirkt absolut und überzeugend authentisch.
Aus dem Englischen bearbeitet von Thomas Imhof
Fotos von @Sump_Shot





























