

Wir haben sie bei Ultrace in Krakau driften gesehen, als DTM-Boliden auf der Geraden von Hockenheim heulen gehört, 190-Taxis in Afrika entdeckt, die dort über 1.000.000 Meilen zurückgelegt haben, und sogar von welchen gehört, denen selbst schlammige Rallye-Etappen nichts anhaben konnten – unterschiedlichste Szenarien, die nur wenige andere Modelle aus dem Mercedes-Benz-Programm mit so viel Leichtigkeit bewältigen konnten. Der 190 E ist auch und gerade wegen dieser Vielseitigkeit weltweit beliebt – und dieses besondere Exemplar gehört dem Stuttgarter Rasim Divrik. Es ist eine Liebesgeschichte, die sich über fast ein Jahrzehnt erstreckt und Rasims gesamte Karriere und Zukunft prägt. Wir haben ihn getroffen, um mehr zu erfahren…

„Zu meinem 18. Geburtstag bekam ich einen 190 E 2.3 mit Automatik in erbärmlichem Zustand geschenkt. Seitdem habe ich fast jeden Cent, den ich verdient habe, in dieses Auto gesteckt. Ich fing damit an, die Karosserie komplett neu aufzubauen und den Motor zu überholen, und mit der Zeit wurde der Wagen immer besser.“ Es ist eine typische Liebesgeschichte, und Rasim ist fest davon überzeugt, dass sie ihm dabei geholfen hat, zu dem Menschen zu werden, der er heute ist. „Es ist schwer in Worte zu fassen, wie stark meine emotionale Bindung zu diesem Auto ist. Ich habe Blut, Schweiß, Tränen, Zeit, Geld und Liebe hineingesteckt. Dieses Auto bedeutet mir alles – es birgt so viele Erinnerungen und Zukunftsvisionen in sich. In den fast zehn Jahren, in denen ich es besitze, hat es viel mitgemacht. Einmal wurde es nach einem Unfall, bei dem es im Wald gelandet war, als Totalschaden abgeschrieben, und zweimal hat es sogar gebrannt.“
Doch was genau haben wir jetzt genau vor uns? Beim Anblick dieser atemberaubenden Fotos würde man meinen, ein zertifizierter Klassiker mit von Cosworth mitentwickeltem Motor gehöre sicher in eine temperierte Garage. Doch Rasims 190 E ist eher eine Hommage an die besten Mercedes-Benz-Komponenten als eine exakte 2.3-16-Replika. „Zu Anfang hatte er einen 2,3-Liter-M102-Motor mit Automatikgetriebe, der nach dem ersten Unfall ausgebaut wurde. Ich ersetzte ihn durch einen 2,6-Liter M103 und ein Schaltgetriebe, den ich zu einem 3,1-Liter mit Fächerkrümmern, einer scharfen Nockenwelle und größeren Drosselklappen aufrüstete. Leider fing dieser Motor nach etwa 60.000 Kilometern bei rund 250 km/h auf der Autobahn Feuer, sodass ich mir wieder etwas Neues einfallen lassen musste.


In Rasims 190 E installiert ist nun ein M104-Motor mit sechs Zylindern, der dank Fächerkrümmer und zahlreicher weiterer Modifikationen jetzt aus 3,2 Litern Hubraum schöpft und beeindruckende 255 PS leistet – deutlich mehr als der so beliebte 2,3-16 Cosworth. Neben dem Motor wollten wir vor allem wissen, was Rasim an seinem Wagen sonst noch verändert hat: „Er hat eine komplette und heute seltene Azzurro-Innenausstattung. Davon wurden 1992 nur 950 Stück gebaut. Das Dekor-Thema setzt sich über die äußere Optik, die Sicherheitsgurte, das Lenkrad, die Bremssättel bis in die Radnabenkappen fort. Ich habe mich für das Evolution-1-Bodykit entschieden, mit angepassten Kotflügel-Verbreiterungen, wodurch der Wagen etwa sieben Zentimeter tiefer liegt als der originale Evo 1.“

Die aggressive Optik und zeitgenössischen Rennsport-Details werden durch 17-Zoll-BBS-RS-Felgen, ein speziell abgestimmtes Fahrwerk und unsere Lieblingsmodifikation – die abnehmbaren Hella-Zusatzscheinwerfer für Nebel- und Fernlicht – perfekt in Szene gesetzt. Diese Hommage an die Rallye-Vergangenheit des Wagens harmoniert perfekt mit der in Zusammenarbeit mit dem Hamburger 3D-Künstler und Designer Max Salzborn entworfenen Sonderlackierung/-folierung.
Wir wollten auch noch erfahren, woher Rasims Leidenschaft für Autos und insbesondere für die Arbeit herrührt: „Ich mache alles selbst – von der kleinsten Schraube bis zum kleinsten Aufkleber. Mein Vater hat mir viel über Fahrzeugtechnik beigebracht, und dieses Auto war mein größter Lehrmeister. Es legte den Grundstein für meine berufliche Laufbahn als Kfz-Techniker, die ich heute noch in einer Mercedes-Benz-Werkstatt fortführe. Für mich ist solch ein Projekt eine Möglichkeit, mich, meinen Stil und meine Persönlichkeit auszudrücken. Ich entwickle und verbessere diesen Wagen seit zehn Jahren kontinuierlich. Mein Horizont erweitert sich dabei ständig, genau wie unser aller Leben. Ich fahre das Auto mindestens 30.000 Kilometer im Jahr und unternehme regelmäßig lange Reisen und Urlaubsfahrten mit ihm.“


Keine Frage: Die positive Lebenseinstellung des 27-Jährigen und sein großer Ehrgeiz spiegeln sich in seinem Auto wider. Wie für so viele andere gleichgesinnte Fans ist sein 190 E weit mehr als nur ein Fahrzeug – er ist Ausdruck seiner Persönlichkeit und ein Symbol seines Erfolgs. „Zu sehen, dass die Leute meine Arbeit wertschätzen – besonders wenn Kinder sie mit großen Augen anschauen – macht mich glücklich, motiviert mich und zeigt mir, dass ich wohl etwas richtig mache!"
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