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Diese Fiat Dino-Studie von Pininfarina lebt bereits ihr zweites Leben

Dieses Kombi-Coupé kam ursprünglich 1967 als Fiat Dino Parigi zur Welt. Doch nur wenige Monate später wurde ihm für den Genfer Salon schon ein neues „prêt-à-porter“ Kleid verpasst. Der original erhaltene „Ginevra“ wird bei der Gooding & Christie’s-Auktion auf Amelia Island versteigert.

Die meisten Design-Studien teilen ein ähnliches Schicksal – nachdem sie ihre fünfzehn Minuten Ruhm auf Automessen genossen haben, verbringen sie den Rest ihres Daseins gut versteckt in den Sammlungen der jeweiligen Hersteller oder Karosseriebauer. Wenn sie etwas mehr Glück haben, werden sie später wenigstens in Museen oder bei Klassikveranstaltungen gezeigt. In den sechziger- und siebziger Jahren ereilte einige ein deutlich schlimmeres Schicksal. Bevor die Unternehmen verstanden, wie wichtig es ist, ihre Geschichte zu bewahren und zu dokumentieren, wurden manche Showcars umgebaut oder im schlimmsten Fall sogar verschrottet oder zerlegt – bis kaum mehr übrigblieb als das nackte Chassis.

Auch Pininfarinas Fiat Dino Berlinetta Speciale, der seit seinem Umstyling den Spitznamen Ginevra trägt und am 5. März bei der Amelia‑Island‑Auktion von Gooding & Christie’s unter den Hammer kommt, hat bereits anderthalb Leben hinter sich – was ihn historisch umso wertvoller macht. Tatsächlich handelt es sich bei ihm um eine Überarbeitung des extravaganten Shooting Brake Dino Parigi, der 1967 auf dem Pariser Autosalon den Stand des renommierten Designhauses zierte.

Ein halbes Jahr später wurde das Fahrzeug auf dem Genfer Autosalon 1968 wiedergeboren – mit einem neuen Heck, das etwas konventioneller und serientauglicher wirkte als das fast teuflisch anmutende Hinterteil des Parigi. Beide Studien stammen aus der Feder von niemand Geringerem als Paolo Martin, einem der renommiertesten Designer Pininfarinas. Er zeichnete später auch für Design‑Delikatessen wie das Fiat 130 Coupé, den Rolls‑Royce Camargue und den legendären Ferrari 512 S Modulo verantwortlich – jenes Konzeptfahrzeug, das das Publikum 1970 mit seinem geradezu außerirdischen Erscheinungsbild in Staunen versetzte.

 Während Martins berühmteste Entwürfe der siebziger Jahre eher kantig und fast monolithisch wirkten, hielt er sich bei Gestaltung des 1968 vorgestellten Dino Berlinetta Speciale Ginevra, der teilweise auch Aerodinamica genannt wird, konsequent an die Gesetze des Windkanals. Er kombinierte die bereits vom Dino Parigi bekannte flache Frontpartie, inklusive der halbverdeckten Scheinwerfer, mit einer elegant geschwungenen Dachlinie, die abrupt in einer scharfen Abrisskante endet. Das charakteristische „Kammheck“ lässt das zweitürige Coupé wie einen Shooting Brake wirken – eine Karosserieform, deren Beliebtheit nur wenige Jahre später ihren ersten Höhepunkt erreichen sollte.

Die spektakuläre Farbe "Rosso Dino" – einer der attraktivsten Ferrari-Farbtöne jener Zeit – unterstreicht perfekt die einzigartige Form des Wagens. Der Fiat Dino Berlinetta Speciale wurde nie neu lackiert und dient daher als Referenz für das nahezu orangefarbene "Dino Rot". Die Studie gehört zu den letzten Überlebenden, die noch im Original-Lack in dieser Farbe erhalten sind.

Doch das Konzeptfahrzeug besticht nicht nur mit seinem atemberaubenden Exterieur. Pininfarina überarbeitete auch den Innenraum des Fiat mit großer Liebe zum Detail – das schwarze, perforierte Armaturenbrett und die filigranen, futuristisch anmutenden Kopfstützen sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Ganz zu schweigen vom reinrassigen Herz des Dino – dem ikonischen Zweiliter‑Ferrari‑V6, der ursprünglich für die Formel‑2‑Rennwagen der Cavallino Rampante entwickelt wurde. Für die Produktion dieses klangvollen, drehfreudigen Sechszylinders war Fiat verantwortlich. Auch wenn derselbe Motor auch im Ferrari 206 GT verbaut wurde – dem damaligen Einstiegsmodell der Marke aus Modena.

Nachdem sich die Tore des 1968er Genfer Autosalons geschlossen hatten, verweilte der Dino Berlinetta Speciale über zwei Jahrzehnte hinweg in Pininfarinas hauseigener Sammlung. Um die Jahrtausendwende erwarb ein französischer Enthusiast die Studie, bevor es 2022 den Atlantik überquerte. Der aktuelle US-amerikanische Besitzer erweckte den Antrieb zu neuem Leben und präsentierte den Wagen bei den renommiertesten Concours‑Veranstaltungen Nordamerikas.

In den vergangenen Jahren konnte man ihn auf den Rasenflächen von The Quail, The Bridge und Pebble Beach bewundern. 2024 schickte er das Fahrzeug auf einen Heimaturlaub in Italien, wo die ASI es beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este als das “besterhaltendste Nachkriegsauto“ auszeichnete. Mit einem Schätzwert zwischen 575.000 und 775.000 Dollar bietet es eine Patina, die man bei Concept Cars nur selten findet – und gilt zugleich als ein wichtiges Stück vierrädriger Designgeschichte.

 

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