


Mit seiner Premiere auf dem Pariser Autosalon von 1964 löste der Ferrari 275 GTB die seit den frühen Fünfzigerjahren immer breiter aufgefächerte 250er-Serie ab. Das elegante Pininfarina-Design der neuen „Gran Turismo Berlinetta“ übernahm einige Designfeatures zeitgenössischer Ferrari-Rennwagen, wie die ikonischen seitlichen Lufteinlässe, den Wabengrill, das kurze Kamm-Heck und die mit Plexiglashauben verkleideten Scheinwerfer. Als Antrieb diente die finale Evolution des vorn längs installierten Colombo-60°-V12; im 275 GTB mit einer Leistung von 280 PS aus 3,3 Litern Hubraum, versorgt durch eine Batterie aus drei Weber-Doppelvergasern. Die Karosserie des atemberaubenden Zweisitzers wurde beim Ferrari-Hauskarosseriebauer Scaglietti aus Stahl gefertigt, die Türen, die Motorhaube und der Kofferraumdeckel aus gewichtssparendem Aluminium.
Abgesehen von der für Ferrari der 1960er-Jahre charakteristischen Formensprache führte der 275 GTB zwei technologische Innovationen ein, die ihrerseits auf den Erfahrungen der Scuderia mit den Rennsport-Prototypen 250 P und 250 LM beruhten. So war der 275 GTB der erste straßenzugelassene Ferrari mit hinterer Einzelradaufhängung statt einer Starrachse. Und zugleich das erste Modell mit Transaxle-Antrieb – bei dem zugunsten einer optimalen Gewichtsverteilung und verbesserten Traktion das Fünfgang-Getriebe und das Differential in einem gemeinsamen Gehäuse an der Hinterachse montiert wurden.

Dieses prachtvolle Exemplar mit Chassisnummer 06787 wurde im Februar 1965 an seinen ersten (italienischen) Besitzer ausgeliefert und gelangte schon Anfang der 1970er-Jahre in die USA. Dort erhielt das ursprünglich grau lackierte Auto einen neuen „bonbonroten Metallic-Lack“, wie es der Schweizer Ferrari-Historiker Marcel Massini einmal treffend beschrieb. Nach Ausbau des Handschuhfachs wurde die Holzverkleidung des Armaturenbretts bis zur Beifahrerseite verlängert und die serienmäßigen Dreiecksfenster durch durchgehende Seitenscheiben ersetzt.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends erfuhr der matching-numbers V12-Motor bei Rick Bunkfeldts „Vintage Restoration Services“ aus Hartland, Wisconsin, eine erste Generalüberholung. 2012 schloss sich eine Komplettneulackierung bis aufs blanke Metall an, dazu eine Auffrischung des Innenraums und neu aufbereitete Chromteile. 2024 gab der jetzige Besitzer bei der auf Ferrari spezialisierten Werkstatt „The Boston Sportscar Co.“ eine umfassende mechanische Inspektion in Auftrag, in die er fast 100.000 US-Dollar investierte.



Von insgesamt knapp 800 zwischen 1964 und 1968 gebauten Einheiten aller 275 GTB – short nose, long nose und GTB/4 mit Viernockenwellen-Motor – entfielen nur 250 Einheiten auf die erste 275er-Serie mit kurzer „Nase“. Zu der auch dieses nun bei Copley Motorcars zum Verkauf stehende rote Exemplar mit schwarzem Leder-Interieur sowie Originalmotor und Originalgetriebe zählt. Ein besonderer Hingucker sind die perfekt restaurierten Borrani-Drahtspeichenräder – 1964 nur gegen Aufpreis als Werksoption erhältlich. Mit seiner charakteristischen, eleganten Silhouette und dem für die Epoche zukunftsweisenden V12-Transaxle-Antrieb repräsentiert dieser 275 GTB italienisches Automobildesign und Ingenieurs-Know-how der 1960er-Jahre auf höchstem und dem Auge maximal schmeichelndem Niveau.





































