


Zu Beginn der 1970er-Jahre wagte Fiat mit dem 130 V6 3200 Coupé einen bemerkenswert mutigen Schritt. Unter der Leitung von Pininfarina avancierte es zu einer wahren Stilikone seiner Zeit. Das 1971 auf dem Genfer Salon auf der Plattform der 130 Limousine basierende zweitürige Coupé vereinte Luxus, Leistung und eine Designsprache, die gleichermaßen Eleganz und kühne Schlichtheit ausstrahlte. In den Siebzigern waren knallige Farben und extravagante Materialien bei der Ausstattung neuer Fahrzeuge üblich, und dieser Fiat, der am 30. November bei der Herbst-Auktion von Aguttes on Wheels’ versteigert wird, macht da wahrlich keine Ausnahme!
Die technischen Daten des Fiat 130 Coupés – insbesondere mit dem in der Limousine anfangs noch nicht verfügbaren, aber hier serienmäßigen 3,2-Liter-V6 – lesen sich schon auf dem Papier wie ein perfektes Loblied. Der von keinem Geringeren als Aurelio Lampredi entworfene, hochtourige V6 leistete 165 PS und erzeugte dabei eine grandiose Soundkulisse. Doch das 130 Coupé bestach vor allem durch seine Ästhetik. Die wunderschön klar gezeichnete Pininfarina-Karosserie, entworfen von Paolo Martin, war kantig und elegant zugleich, ganz im Stil ihrer Zeit und doch irgendwie zeitlos. Selbst nach heutigen Maßstäben wirkt der Wagen deutlich moderner als viele andere Autos aus derselben Ära, ist aber dennoch unverkennbar ein Fiat.



Beim Einsteigen fühlt sich das 130 Coupé weniger wie ein praktischer GT, sondern eher wie ein Boudoir auf Rädern an. Obwohl Leder damals der letzte Schrei war, entschied sich Fiat für luxuriösen Velours und – in einigen Sondermodellen wie diesem – sogar für Samtbezüge. Diese Stoffe sind luxuriös und auf die verspielte Art der Siebzigerjahre ein wenig dekadent. Und beweisen, dass der 130 nicht nur zum Fahren, sondern auch zum Bewundern gebaut wurde.
Zwischen 1971 und 1977 wurden nur 4.491 130 Coupés gebaut – von der Limousine hingegen immerhin 14.500 Einheiten – was diesen großen Zweitürer zu einem seltenen und begehrten Sammlerstück macht. Noch seltener ist, dass es sich bei diesem Exemplar um ein Vorserienmodell handelt, eines der allerersten produzierten Fahrzeuge. Es wurde im Juli 1971 mit dem Kennzeichen „TO F22438“ auf die Design- und Forschungsabteilung des Fiat-Konzerns zugelassen und angeblich zeitweise auch von Fiat-Boss Gianni Agnelli genutzt. Der Wagen mit dem nur auf Sonderwunsch erhältlichen ZF-Handschaltgetriebe blieb ein ganzes Jahrzehnt im Besitz von Fiat, bevor er 1981 an seinen ersten Privatbesitzer verkauft wurde. Ursprünglich für Pressefotos in Silver Indianapolis (605), wurde er später in diesem wunderschönen Korallenton neu lackiert, der perfekt zum mühelosen Stil und dem schlichtweg extravaganten Interieur passt.



Trotz seines versprühten Understatements – oder vielleicht gerade deshalb – war das Fiat 130 Coupé ein klares, wenngleich subtiles Statement. Es wurde zu einer stillen, aber kühnen Ikone seines Jahrzehnts, ein Grand Tourer, der mühelos elegant wirkte und gleichzeitig perfekt zum kühnen Stil jener Epoche passte!







































