


In den Siebzigerjahren wurde das Sportwagen-Design auf den Kopf gestellt: Geschwungene Linien waren plötzlich out, während scharfe Kanten und gerade Formen zum letzten Schrei wurden. Bis zur Mitte des Jahrzehnts hatte sich die Keilform-Philosophie von Giugiaro und Gandini durchgesetzt. Dieser sogenannte Marion Spider, der jahrzehntelang Teil renommierter Ferrari-Sammlungen war und eng mit der amerikanischen Geschichte des “Cavallino Rampante” verbunden ist, steht fast schon symbolisch für diese Entwicklung. Kaum jemand würde vermuten, dass dieser dritte von insgesamt fünf im Auftrag von Chinetti gefertigten Michelotti-Spidern auf dem kurvigen Daytona basiert – jener Ikone, die mit ihren sanften Kurven seit ihrem Debüt im Jahre 1969 die Herzen von Sportwagenfans erobert hatte.

Dieser Ferrari 365 GTB/4 im ungewohnten Look wird bei RM Sotheby’s Versteigerung “Cavallino Sale”, die am 14. Februar 2026 in Palm Beach stattfindet, angeboten. Der von Chinetti “NART Spider” getaufteund in Dunkelblau und Grau sowie mit einer orangen Lederausstattung ausgelieferte Frischluft-Sportler trägt die Fahrgestellnummer 14299 und wird auf einen Verkaufspreis zwischen 600.000 und 750.000 Dollar geschätzt. Auf dem Tacho stehen nur 6.000 originale Meilen, wobei die Hälfte davon bei Oldtimer-Rallyes wie der Copperstate 1000 in Arizona abgespult wurden.
Das Basisfahrzeug war ein “Standard”-Daytona, der 1971 an seinen Erstbesitzer ausgeliefert wurde, jedoch bereits wenige Jahre später von Luigi Chinetti wieder in Zahlung genommen wurde. Der Ferrari-Importeur und Gründer des berühmten North American Racing Teams ließ den Wagen 1976 zurück über den Atlantik verschiffen. In seiner Turiner Werkstatt versah der renommierte Karosseriebauer Michelottidas Fahrgestell mit einer ungewöhnlichen modern wirkenden Karosserie. Die schräge “Haifischnase” und die gerade aufsteigende Gürtellinie verpassten dem Fahrzeug einen aggressiven Ausdruck, der es deutlich von seinen früheren Markenkollegen abhob.



Luigi Chinetti erhielt das umgestylte Fahrzeug im darauffolgenden Jahr zurück und schenkte es direkt seiner Frau Marion. Die Aufkleber mit ihrem Namen über den Türgriffen zeugen noch heute von diesereinzigartigen Liebeserklärung. Michelotti nutzte den Wagen später als Vorzeigeobjekt, mit dem die Fähigkeiten des Unternehmens herausgestellt werden sollten. 1980 wurde der NART Spider beispielsweise auf dem Turiner Autosalon ausgestellt. Nach zwei Jahren im Le Mans-Museum und einer Teilnahme am Concours d’Elegance 1984 in La Baule ließ Chinetti das Fahrzeug zurück in die USA bringen.
Nach Marions Tod Mitte der Achtzigerjahre ging der NART Spider durch die Hände einiger renommierter Händler und Ferrari-Sammler – er verweilte beispielsweise über zwei Jahrzehnte lang in der Sammlung des ehemaligen Microsoft-Managers Jon Shirley. Die Geschichte des dritten Michelotti-Spiders ist bestens dokumentiert, was einer der Gründe dafür ist, dass Ferrari Classiche den Wagen mit dem Zertifikat “High Interest” auszeichnete – eine Ehre, die nur wirklich herausragenden Fahrzeugen zuteilwird.
































