Nach The ICE St. Moritz vom vergangenen Wochenende dürfte es für die Organisatoren von Automobilveranstaltungen noch schwieriger werden, die internationale High Society zu beeindrucken – denn der Schweizer Winter-Concours hat einmal mehr neue Maßstäbe gesetzt, wie man die Automobilkultur stilvoll zelebriert.


Schließlich erscheint es fast schon ein Kinderspiel, die großartigsten Automobile der Welt auf einem Golfplatz oder im Park eines Grandhotels für einen statischen Concours zu versammeln, wenn man es mit der Herausforderung vergleicht, nicht nur 50 unbezahlbare Sammlerautos auf einem zugefrorenen See mitten in den Alpen zu präsentieren – sondern ihnen auch eine perfekt präparierte Strecke für Eisrennen und Driften im Schnee zu bieten. Ronnie Kessel, Marko Macaus und das gesamte Team des ICE St. Moritz haben diese Aufgabe einmal mehr mit Bravour gemeistert und allen Teilnehmern ein unvergessliches Erlebnis bereitet.



Die bemerkenswertesten Autos beim diesjährigen International Concours of Elegance waren zweifellos die legendären Rennwagen, die in der Kategorie „Legendary Liveries“ auf dem Eis in Formation gingen. Wer hätte schon erwartet, mythische Rennstreckenmonster wie den psychedelischen Hippie-Porsche 917, der 1970 in Le Mans antrat, einen Alfa Romeo 197 B Formel-1-Rennwagen, einen Audi Sport Quattro S1 E2 mit Neunfach-Le-Mans-Sieger Tom Kristensen am Steuer, einen Citroën ZX Rallye Raid und den McLaren F1 GTR „Lark“ in einer Pulverschneefontäne quer über das Eis driften zu sehen?


Das schweizerischste Auto in dieser Klasse war sicherlich der Porsche 911 RSR mit seiner Toblerone-Lackierung, während Rennlegende Erik Comas mit seinem ehemaligen Le-Mans-Wagen, einem straßenzugelassenen Nissan R390 GT1 mit 660 PS, auf Achse über die Bergpässe nach St. Moritz gefahren war und damit für Furore sorgte. Wer hätte sich 1998, als er am 24-Stunden-Rennen teilnahm, vorstellen können, dass er einmal Spikereifen an seinem Langstreckenrennwagen montieren und damit einige Ehrenrunden über einen zugefrorenen Bergsee drehen würde?



Die wohl spaßigsten Fahrten über den See bieten stets die offenen Rennwagen aus den 1920er- bis 1960er-Jahren, dem goldenen Zeitalter des klassischen Motorsports. Der ortsansässige Sammler Fritz Burkard hatte seinen außergewöhnlich schönen Bugatti T13 mitgebracht, neben einem prachtvollen Bugatti T35 und einem unrestaurierten, schneeweißen Bugatti T37A, der 52 Jahre lang unberührt geblieben war, bevor er mit Vater und Sohn im Cockpit auf dem Eis landete. Kartharina Kyvalova steuerte ihren riesigen Bentley 4,5 ltr Open Tourer von 1928 im Titanic-Format wie ein Schnellboot über den See, dicht gefolgt von der 19-jährigen Oldtimer-Enthusiastin Victoria Dold im Alfa Romeo 8C 2300 ihrer Familie, einem ehemaligen Scuderia-Ferrari-Rennwagen von 1928.


Die passendsten Sportwagen für ein Auto-Event mit maritimem Flair finden sich natürlich in der Kategorie „Barchettas on the Lake“: Einige Tage zuvor hatten wir das Eis bereits mit dem goldenen, von Bertone entworfenen Alfa Romeo Giulietta Spider Prototype von 1955 aus der Mailänder Lopresto Collection getestet. Bei The ICE St. Moritz gesellte sich eine Flotte legendärer Rennwagen hinzu, darunter ein Maserati 300S, ein Ferrari 250 MM Vignale Spyder Series II, ein Ferrari 750 Monza und ein Jaguar D-Type, der von Kurt Engelhorn (dem Schöpfer des Bernina Gran Turismo) temperamentvoll gefahren wurde. Das extravaganteste Auto war jedoch ein Pontiac Vivant von 1965, eine einzigartige aerodynamische Studie, die von Richard Gauntless, dem Besitzer des berühmten Meyers Manx Café am Fuße des Berninapasses, gekonnt über den See gesteuert wurde.



Die ICE St. Moritz ist eine Hommage an automobile Eleganz und Design. Und wie Lord Norman Foster einst sagte: Autos sehen auf Schnee einfach besser aus. Daher wirkten die zeitlosen Klassiker der Kategorie „Icons on Wheels“ noch atemberaubender als sonst. Der wohl eleganteste Wagen auf dem See, der 1937er Talbot-Lago T150C SS „Teardrop“ von Fritz Burkard, sicherte sich am Samstagnachmittag verdient die Trophäe „Best of Show“.


Doch auch die Konkurrenz war stark. Der orangefarbene Lamborghini Miura SV aus der Distinctive Collection war das perfekte Auto, um das 60-jährige Jubiläum des Modells zu feiern. Wir hätten uns derweil nur schwer zwischen dem Ferrari 250 SWB Competizione und dem 275 GTB/4 für eine Runde auf dem Eis entscheiden können. Rallye-Pilot Christian Geistdörfer, der berühmte Beifahrer von Walter Röhrl, demonstrierte sein Können in einem Porsche 910, während der Besitzer des Ferrari Dino 206 S sein Auto mit Vintage-Tourismusplakaten beklebt hatte und damit perfekt den Geist von St. Moritz verkörperte.


Zum Glück kennt die Autokultur in St. Moritz keine Altersgrenzen – so hatte The ICE St. Moritz auch eine Flotte bahnbrechender Supercars aus den 1990er-Jahren eingeladen, um in der Kategorie „Birth of the Hypercars“ zu glänzen. Die Ausstellung, die unsere Nostalgie für Retro-Videospiele wie „Need for Speed“ weckte, umfasste weitere begehrte Supercars wie den McLaren F1 von Clive Joy, einen frühen Pagani Zonda C12, einen Porsche GT1 mit neongrünen „Schneesocken“, einen allradgetriebenen Bugatti EB110 aus der Perridon Collection und einen Ferrari F50, der die jüngsten Auktionsrekorde des Modells mit Skiern auf dem Dach feierte.



Sammler Gaurav Dhar brachte den allerersten Koenigsegg-Prototyp aufs Eis – und das Auto wurde nicht nur mit Christian von Koenigsegg wiedervereint, sondern erhielt auch Lob von Mate Rimac, dem benzinverrückten CEO von Bugatti Rimac, für sein innovatives Design und seine kreative Verarbeitungsqualität. Solche Unterhaltungen kann man wirklich nur bei The I.C.E. St. Moritz belauschen.


Als die Veranstaltung am Samstagabend zu Ende ging, rieben wir uns ungläubig die Augen: War das wirklich alles gerade passiert? Konnten wir nicht nochmals zum Freitagmorgen zurückspulen, um uns die Geschichte jedes einzelnen der außergerwöhnlichen Autos von seinem Besitzer erzählen zu lassen? Falls Sie, genau wie wir, die unvergesslichsten Momente der ICE St. Moritz 2026 noch einmal erleben möchten, empfehlen wir Ihnen, den YouTube-Kanal von Classic Driver zu besuchen – und schon jetzt für die nächsten spannenden Autofilme zu abonnieren.
Photos by Keno Zache / Video by Andrea Furger for Classic Driver © 2026












































































































