Pegaso ist ein Name, der vielen jüngeren Sportwagenfans unbekannt sein dürfte. Tatsächlich wurden nach 1945 unter diesem Markennamen in Barcelona vor allem Busse, Lkw, Traktoren und Militärfahrzeuge gebaut. Ab 1951 und dann bis 1958 versuchte sich Pegaso auch im Bau luxuriöser Sportwagen, um sein Markenimage aufzubessern und Lehrlinge auszubilden. Obwohl ohne Erfahrung im Bau solcher Oberklasse-Modelle für eine gehobene Klientel, produzierte das Unternehmen unter dem Dach der staatlichen Muttergesellschaft ENASA und mit Hilfe des zum technischen Leiter ernannten Ex-Alfa-Romeo Ingenieurs Wilfredo Ricart im alten Hispano-Suiza-Werk einige außergewöhnliche utomobile. Heute haben wir das große Vergnügen, Ihnen drei dieser unglaublichen „spanischen Ferrari“ präsentieren zu dürfen, die alle am 11. Oktober bei der Brüsseler „Autoworld I Auction & Motion-Auktion von Aguttes on Wheels versteigert werden.



1952 Pegaso Z-102 ENASA Berlinetta
Unser erster vierrädriger Pegasus ist ein wunderschöner Pegaso Z-102 von 1952 mit einer direkt bei ENASA statt bei einem der führenden Karosseriebauer der damaligen Zeit gefertigten Karosserie. Trotz mangelnder Expertise beim Bau von Sportwagen entstand ein prächtiger Grand Tourer, entworfen von Medardo Biolino, der sich von Battista Farinas Entwürfen für Berlinettas von Ferrari und Cisitalia inspirieren ließ.

Dieses Auto mit der Fahrgestellnummer 0106 war das erste aus der zweiten ENASA-Berlinetta-Serie und der erste rechtsgelenkte Z-102. Anfangs wurde es von einem 2,8-Liter-V8-Motor angetrieben, bevor es zu Testzwecken mit einem anderen Kompressormotor ausgestattet wurde. Sechs Monate später fand unter der Haube dieses Pegaso eine weitere Veränderung statt – das Kompressor-Triebwerk wich einem Motor mit vier Doppelvergasern. Chassis 0106 wurde von Anfang an mit dem Ziel der Gewichtsersparnis entwickelt und verfügte daher über Türverkleidungen aus Aluminium, Schiebefenster und eine Heckscheibe aus Plexiglas. Seine Wettbewerbsfähigkeit wurde bei der „La Vuelta“ in Andalusien auf die Probe gestellt, wo er mit Gerardo Romero Requejo Platz vier in seiner Klasse belegte.
Im Januar 1955 kehrte dieser Pegaso für einen kompletten Umbau ins Werk zurück. Er erhielt den fabelhaften hellen Metallic-Grünton, den er bis heute trägt; der Motor wurde erneut und diesmal durch einen neuen 2,8-Liter-V8 mit Doppelvergaser ersetzt. Da dieser Pegaso die letzten 49 Jahre im Besitz desselben Besitzers war, präsentiert er sich in hervorragendem Zustand – sogar der Tachostand von nur 16.000 Kilometer dürfte korrekt sein. Als einer der ältesten noch existierenden Pegaso-Sportwagen bietet sich hier eine einmalige Gelegenheit, einen der faszinierendsten Sportwagen der 1950er-Jahre zu erwerben.



1953 Pegaso Z-102 Series 1 Cabriolet by Saoutchik
Saoutchik baute insgesamt nur vier Cabriolets für Pegaso – einen Prototyp, zwei Modelle der ersten Serie und eine Exemplar aus der Serie 2. Dieses Fahrzeug mit Chassisnummer 0134 ist eines der beiden Serie-1-Cabrios und stand 1953 auf dem Saoutchik-Stand des Pariser Salons. Es war ursprünglich in Marineblau lackiert, hatte eine dazu passende Innenausstattung und einen 2,8-Liter-V8 mit Einzelvergaser unter der Haube. Nach der Messe erstand ein wohlhabender Kunde aus Madrid das Auto und meldete es mit dem Kennzeichen M-109.179 – das es bis heute trägt – an.

Nachdem dieser offene Z-102 zwischen zwei anderen spanischen Besitzern hin- und hergereicht worden war, ging er Mitte der 1970er- Jahre an demselben in Barcelona ansässigen Sammler, der auch schon die oben vorgestellte Pegaso Z-102 ENASA Berlinetta von 1952 in seiner Kollektion stehen hatte. Neu lackiert in Weiß wurde es auf der nationalen Ausstellung anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 1982 in Madrid, 2001 im Zentrum für zeitgenössische Kultur in Barcelona und schon zuvor 1994 beim Pebble Beach Concours d'Elegance ausgestellt. Zu den jüngsten Auftritten zählen die Techno Classica 2012 in Essen 2012 und ein Concours in Montmelo 2013. Den Großteil seines Autolebens verbrachte es im privaten Museum des aktuell vierten Besitzers und gleich neben Chassis 0106.
Heute ist Chassis 0134 einer der originalsten Pegaso weltweit, auch sein perfekt erhaltener Innenraum wurde seit Auslieferung nie verändert. Mit nur 38.285 Kilometern Laufleistung wird er sogar mit seinem originalen, maßgeschneiderten Koffer-Set Set geliefert und ist bereit, das Kronjuwel in der Sammlung seines bald fünften Besitzers zu werden.



1954 Pegaso Z-102 Series 2 Berlinetta by Saoutchik
Der Pegaso Z-102 war mit nur 83 gebauten Exemplaren bereits ein äußerst seltenes Fahrzeug. Darunter waren nur 18 mit einer Karosserie von Saoutchik, von denen wiederum nur acht auf die Serie 2 entfielen. Diese Serie-2-Modelle bestachen durch straffere, aerodynamischere Linien und in nach vorne geneigten Gehäusen sitzende Scheinwerfer, waren aber zugleich auch Saoutchiks Schwanengesang: Der legendäre Karosseriebauer schloss seine Tore, nachdem er die letzten vier Karosserien der Serie 2 fertiggestellt und 1955 vom französischen Staat beschlagnahmt worden war.
Dieses Auto mit Fahrgestellnummer 0137 wurde zunächst auf den Namen von Finanzauto zugelassen, dem für den Vertrieb der Pegaso-Fahrzeuge zuständigen Unternehmen, und gelangte bald in die Hände von Jorge Fernandez Menéndez, einem Industriellen, Großkunden von ENASA-Industriefahrzeugen und Teilzeit-Rennfahrer. Menéndez ließ keine Zeit verstreichen und nahm mit seinem Neuerwerb schon am 21. November 1954 am Bergrennen „Subida a la Dehesa de la Villa“ in Madrid teil, wo der Platz drei belegte. Anfang 1955 trat er bei der Universal Watches Trophy, einer Gleichmäßigkeitsprüfung, an, und beendete diese auf Platz 14.

Ein faszinierendes Detail über Chassis 0137 kam ans Licht, als es Ende 1957 an Antonio Castellano Escalante verkauft wurde. Die Zahlung der Luxussteuer enthüllte einen Code, der darauf hinwies, dass dieser Pegaso mit einem 3,2-Liter-V8-Motor ausgestattet war. Damit war er die vermutlich einzige Saoutchik Berlinetta, der werkseitig ein 3,2- statt 2,8-Liter-Motor spendiert worden war. Man geht davon aus, dass der größere Motor eingebaut wurde, um Escalante zufriedenzustellen, nachdem dieser erfahren hatte, dass die Pegaso-Produktion eingestellt worden war und die Preise daher drastisch gefallen waren.





































