
Das Phänomen der Scheunenfunde übt in der Oldtimerwelt eine ganz besondere Faszination aus. Es handelt sich dabei nicht einfach um Fahrzeuge, die nach Jahren des Dornröschenschlafs in Scheunen, Garagen oder Schuppen wiederentdeckt wurden; sie gleichen vielmehr Zeitkapseln, Relikten mit einer fast archäologischen Aura, die potenzielle Bieter in helle Aufregung versetzt. Wir gehen davon aus, dass diese vier so lange vernachlässigten Schätze für reichlich Aufsehen sorgen werden, wenn sie am 5. März bei Gooding Christies Auktion auf Amelia Island versteigert werden.



In den letzten Jahren ist das Interesse an Scheunenfunden sprunghaft angestiegen. Was einst als verstaubtes Restaurierungsprojekt in einer Scheune gegolten hätte, ist heute ein begehrtes Objekt, das Rekorde brechen und die Fantasie von Sammlern weltweit beflügeln kann. Der Wert, der auf originale Patina, eine unberührte Innenausstattung und dokumentierte Provenienz gelegt wird, führt zu offensiven Geboten und einem lebhaften Wettbewerb unter Sammlern. Jedes Auto, das man auf diese Art findet, ist etwas Besonderes, aber wenn es eines mit dem springenden Pferd im Logo ist, weiß man, dass es sich um etwas ganz Spezielles handeln muss.
Was ganz besonders auf das erste Modell unseres Quartetts zutrifft: einen Ferrari 342 America von 1951. Konzipiert als luxuriöses Reisemodell und Gegenstück zu den Rennwagen aus Maranello, vereinte der 342 America dank eines im Vergleich zum 340 America um fast 18 Zentimeter längeren Radstands den Komfort einer Grand Touring Limousine mit der Kraft eines V12-Motors. Dieses Modell ist das erste von nur sieben gebauten Exemplaren und erhielt seine Karosserie bei der Carrozzeria Ghia; das zweite entstand bei Vignale, die anderen fünf bei Pinin Farina. Das hier gezeigte Modell (Chassis 0130 AL, für America Lungo) debütierte 1951 auf dem Pariser Salon, eine Woche später folgte ein Auftritt auf der Motor Show im Londoner Earls Court. Erster Besitzer kein Geringerer als David Brown, Gründer von Aston Martin Lagonda. Nah drei weiteren britischen Eigner, darunter die bekannten Sammler Colin Crabbe und Stephen Pilkington, gelangte der Ferrari zur Jahreswende 1966/67 in die USA und wurde dort letztmals im Juni 1967 am Wochenende des Watkins Glen Sport Car Grand Prix gesehen, ehe er für Jahrzehnte aus der Öffentlichkeit verschwand.
Heute zeigt er sich noch weitgehend intakt, trägt noch immer seine britischen Nummernschilder und originale zweifarbige Innenausstattung. Auch der Motor, der Lampredi-V12 mit 4,1 Litern Hubraum und rund 200 PS, ist matching (Nummer 16A). Seine Seltenheit als das erste von nur sieben gebauten Modellen und das einzige mit Ghia-Body, die Showauftritte in Paris und London sowie die prominenten Vorbesitzer machen diesen Ferrari 342 America zu einem extrem begehrten Sammlerstück.



Als wäre das nicht schon außergewöhnlich genug, wird am 5. März auch ein Ferrari 250 GT Coupé von 1959 versteigert. Mit seinem vermutlich stark strapazierten Colombo-V12-Motor und den zeitlosen Proportionen ist dieses Exemplar prädestiniert, in den Händen eines erfahrenen Restaurators wieder zu Höchstleistungen aufzulaufen. Die Entdeckung eines jahrzehntelang unentdeckten Schmuckstücks bietet einem glücklichen Bieter die Chance, in eine goldene Ära der Ferrari-Geschichte einzutauchen, welche die Sammlerleidenschaft bis heute entfacht.
Das Auktionsmodell ist das 158. von nur 353 Exemplaren. Nach mehreren Besitzern in Italien und einem Kurzaufenthalt in der Schweiz gelangte das Auto Ende 1969 in die Hände eines in Bayern stationierten US-Soldaten, der ihn kurz darauf mit in seine Heimat (New Jersey) nahm, ihn dort aber nur ein paar Mal fuhr, um ihn dann einzulagern. Der Wagen behielt bis heute matching numbers für Chassis und Motor sowie Elemente seines originalen beiden Interieurs.

Als Nächstes präsentieren wir zwei Porsche mit deutlichen Gebrauchsspuren. Der erste, ein 356 aus dem Jahr 1951, verkörpert den Beginn einer Legende. Leicht, wendig und mit puristischer Mechanik, waren diese Vor-356-A-Typen der Ursprung von Deutschlands beliebtester Sportwagenmarke. Dieses Exemplar, das sich in einem originalen, wenn auch vernachlässigten Zustand befindet, gehört zu den Modellen, die in Zuffenhausen den Ton für die folgenden Jahrzehnte angaben. Er ist mit einem 356 B 1600-Motor und zeitgenössischem Überrollbügel bestückt und eines von rund 750 im Jahr 1951 gebauten Einheiten. Er war in Upstate New York zugleasen und hat dort vermutlich an lokalen Clubrennen teilgenommen. Er ist kürzlich wieder für gelegentliche Fahrten hergerichtet worden, was den neuen Besitzer vor die Frage stellt, ihn entweder komplett restaurieren zu lassen oder nach vorheriger mechanischer Generalüberholung seine Patina würdevoll zu erhalten.


Beim letzten Angebot handelt es sich um einen weiteren 356, diesmal ein seltenes Pre-A-Exemplar und ein Speedster, in den Jahren 1954 und 1955 nur 1234-mal gebaut. Das Auto verließ als eines der letzten Pre-A-Modelle das Werk am 11. November 1955 und hat vermutlich fast fünf Jahrzehnte auf dem Gelände seines letzten Besitzers – wie das vorher beschriebene Coupé Robert Chevako – in Upstate New York verbracht. Ausgerüstet mit einem seltenen 1,3-Liter-Motor mit 44 PS ist er einer von nur 193, der als Neuwagen in der Farbe Speedster Blue lackiert war. Die Alternative für einen Käufer: ambitionierte Restaurierung oder statische Präsentation innerhalb einer auf Porsche spezialisierten Sammlung.

































