


Wir hatten schon immer eine Schwäche für Spaniens einzigen Concours – nicht, weil er der spektakulärste war, den wir je besucht hatten, sondern wegen seines (bisher) ungenutzten Potenzials. Zu fantastischen Locations, schönem Wetter – das bis weit in die Nebensaison an der Costa del Sol anhält – und der entspannten Miami-Vice-Vibes kommen Supersportwagen, Hypercars und Klassiker, die an drei lauen Abenden unter Palmen glitzern. So hat man immer das Gefühl, dass etwas Besonderes passieren würde.


Bei dieser Ausgabe wurden jedoch all unsere Erwartungen übertroffen. Jeder Aspekt der Veranstaltung wurde auf ein neues Niveau gehoben – noch ausgefeilter, noch persönlicher und mit neuem Selbstvertrauen umgesetzt. Unter neuer Eigentümerschaft und Leitung gelang dem Concurso, was jahrelang unmöglich schien: Er zog Autos großer Hersteller und prominenter Sammler aus ganz Europa an, nicht nur die lokale Szene. Bugatti und Aston Martin waren offiziell in voller Stärke vertreten, ergänzt durch ein außergewöhnliches Line-up an Hypercars von Koenigsegg, Pagani und Ferrari – darunter einige einzigartige Einzelanfertigungen – sowie historische Rennlegenden wie den Le-Mans-Sieger Bentley Speed 8 und die FAT International Viper.



Mit dem einen oder anderen Lamborghini Diablo GT, Countach Anniversary und einigen Flügeltürern – sowie den andalusischen Küstenspirit heraufbeschwörenden Modellen wie einem Guardia Civil Renault 4L oder einem Citroën Méhari – wurde deutlich, dass die Organisatoren ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Die Jury selbst war ebenso beeindruckend. Sie setzte sich aus ehemaligen Designchefs großer Automarken, internationalen Automobiljournalisten, angesehenen Historikern und bekannten Persönlichkeiten aus der Welt der Sammlerautos zusammen. Höhepunkte der Ausstellung? Die persönlichen Porsche-Sonderwunsch-Aufträge der Familie Piëch, eine beeindruckende Serie von fünf farbenfrohen, von Le Mans inspirierten GT3 991, Boxster und Cayman sowie zwei ganz besondere GT4 RS Cayman aus dem Besitz einer der einflussreichsten Familien der Automobilwelt. Nimmt man dazu noch ein Paar exquisiter Coachbuilt-Bentleys hinzu – den Zagato Continental GTZ und den ebenso seltenen Touring Superleggera Flying Star Shooting Brake –, beginnt man das Niveau der diesjährigen Show zu verstehen.


Doch genug von den Autos – sie sind auf unseren Fotos deutlich zu erkennen, ebenso wie die fantastische Atmosphäre, die ein Event bei Sonnenuntergang in diesem Teil der Welt immer bietet (und seien wir ehrlich: tagsüber ist es selbst im Oktober einfach zu heiß). Was den Concurso wirklich einzigartig macht, ist sein Programm: vom Eröffnungs-Mixer und dem ersten Tag der Jury bis zum großen Finale in der prestigeträchtigen, geschlossenen Wohnanlage La Zagaleta für Milliardäre. Der Höhepunkt ist jedoch zweifellos der spektakuläre Roadtrip hoch nach Ronda am zweiten Tag – eine Fahrt über eine der wohl schönsten Straßen der Welt, die auf der Rennstrecke des Ascari Clubs ihren Höhepunkt findet.



Hier konnten Teilnehmer und Juroren – sowie der einzige eingeladene Medienvertreter der Veranstaltung, meine Wenigkeit – einen ganzen Tag damit verbringen, Autos auf dieser atemberaubenden Strecke bewegen. Ein paar Glückliche durften sogar eine Runde als Beifahrer in einem der beiden anwesenden Bugatti Bolide drehen – der die rasanteste Beschleunigung und Kurvenlage diesseits eines LMP1-Autos bot – oder alternativ in einem von zwei Pagani Huayra R oder einem Porsche 935. Außer drei Ferrari – und einem sehr aufgeregten Filip Larsson, Organisator des Aurora Concours, der ein paar Runden in seinem bei Reuter gebauten frühen 356er drehte – brachte aber niemand sein eigenes Auto auf die Strecke. Und das aus gutem Grund: Denn die Organisatoren hatten eine Flotte von zehn VW Up! GTI in der Box aufgestellt – vollständig auf Cup-Rennspezifikation umgebaut, also mit Überrollkäfig, Slick-Reifen, verbessertem Fahrwerk und Bremsen sowie auf 180 PS gesteigerten Motoren.


Während also die Koenigsegg, McLaren, Ferrari und Pagani geduldig im Fahrerlager warteten, brauste die kleine Up!-Armada von 11:30 bis 17:00 Uhr (mit nur einer kurzen Mittagspause) über die Rennstrecke, gefahren wie geklaut – und bewies einmal mehr, dass ein leichtes, mittelstark motorisiertes Auto deutlich mehr Spaß (und deutlich weniger Angst machen) kann als ein 1.000 PS starkes Hypercar. Selbst einige Juroren konnten nicht widerstehen, loszubrausen – etwas, das man bei keinem anderen Concours der Welt so erleben würde.



Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Concurso seine wahre Stärke gefunden hat, indem er die wahren Vorteile einer Veranstaltung in diesem Teil der Welt erkannt hat: das Wetter, die Gastfreundschaft (mit zusätzlichen Mittagessen und Treffen ab Mittwoch für diejenigen, die früh ankamen oder zwischen den Hauptveranstaltungen blieben), die herrlichen Straßen und die Option einer Rennstrecke. Obwohl Andalusien weit entfernt von der etablierten Concours-Landkarte mit England, Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz zu liegen scheint – die die europäische Auto-Event-Szene seit langem dominieren –, kann es dank Einfallsreichtum und makelloser Durchführung nicht nur mit den Schwergewichten mithalten, sondern sie sogar übertreffen.


Es wäre kein Concours ohne Auszeichnungen, zu denen in diesem Jahr der Classic Car Award, der Racing Legend Award und der Supercar Award zählten. Die an einen atemberaubenden BMW 507, einen makellosen grauen Audi Ur-quattro und einen maßgeschneiderten McLaren 750S Spider von MSO gingen. Der Preis „Best of Show“ in der am stärksten umkämpften Kategorie – Hypercars – gebührte dem 10 Millionen Euro teuren One-off-Bugatti Chiron Profilée. Sein Besitzer erhielt eine Trophäe im Stil eines „Challenge Cup“, die an den Gewinner des nächsten Jahres weitergegeben wird (zusammen mit einer gravierten Replik zum Behalten), sowie einen Sonderpreis von Jacob & Co., einem der Sponsoren der Veranstaltung.
Wie wir aus zuverlässigen Quellen erfahren, soll dieses Jahr nur den Beginn einer neuen Ära für den Concurso markieren. Es sind noch ehrgeizigere Pläne in Arbeit – darunter mögliche Standortverbesserungen und erweiterte Fahrmöglichkeiten auf der Rennstrecke. Wir können es kaum erwarten. Hasta la próxima!
Fotos von Błażej Żuławski


























































































