


Könnte dies der verrückteste Motor sein, der jemals in ein Automobil eingebaut wurde? Was Sie hier sehen, ist weder eine KI-generierte, noch eine lebensgroße Hotwheels-Replik oder gar eine Filmrequisite, sondern ein maßgeschneidertes Auto. Es wurde speziell dafür gebaut, um einen ganz besonderen Motor zu beherbergen. Bei dem fraglichen Triebwerk handelt es sich um den Rolls-Royce Merlin-Motor, einen beeindruckenden 27-Liter-V12-Motor. Er ist vor allem in den Flugzeugen Supermarine Spitfire und Avro Lancaster zu finden, die beide im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Es klingt zu verrückt, um auch nur annähernd im Bereich des Möglichen zu liegen, aber dieses unglaubliche Auto könnte jetzt Ihnen gehören. Der Wagen wird am 29. November bei der Brooklands Velocity-Auktion von Historics Auctioneers in der Mercedes Benz World versteigert. Werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Beast von John Dodd.

Die Geschichte von „The Beast“ beginnt nicht mit John Dodd, sondern mit einem Ingenieur namens Paul Jameson. In den späten 1960er Jahren arbeitete Paul an einem völlig anderen, aber ebenso verrückten Projekt. Dabei versuchte er, ein Fahrgestell für einen Rolls-Royce Meteor-Panzermotor zu konstruieren. Jameson stieß auf Probleme, als es darum ging, ein geeignetes Getriebe zu finden, das dem enormen Drehmoment standhalten würde. Da wandte er sich an den Getriebespezialisten John Dodd, was den Beginn einer langen Freundschaft markierte.



Leider fand dieses erste Projekt ein vorzeitiges Ende, als ein Brand das Originalauto zerstörte. Unbeirrt und scheinbar entschlossen, Militärmotoren an Orten einzusetzen, an denen sie noch nie zuvor zu finden waren, erwarb John Dodd den oben genannten Rolls-Royce Merlin V12. Anschließend machte er sich an die Arbeit, ein maßgeschneidertes Hochleistungs-Automatikgetriebe zu entwerfen und zu konstruieren, das die Kraft auf die Straße bringen sollte. Nachdem das Fahrwerk fertiggestellt war, wandte sich Dodd an Fiber Glass Repairs aus Bromley, ein Unternehmen, das unter anderem für seine Dragster-Karosserien bekannt ist und die hier zu sehende, grandiose zweitürige Shooting-Brake-Karosserie herstellte.



Mit einer Länge von gut 5,79 Metern lässt sich das Beast nicht nur als imposant beschreiben. Es war mit einem Rolls-Royce-Kühlergrill und einer Spirit of Ecstasy-Kühlerfigur ausgestattet, die eine Hommage an sein 27-Liter-Herz darstellten. Dodd wollte, dass das Beast sowohl kraftvoll als auch raffiniert erschien: Der Innenraum war mit Leder ausgekleidet und es wurde Walnussfurnier verwendet, um es den reinrassigen Rolls-Royce-Modellen der damaligen Zeit anzunähern. Über den Komfort hinaus war das Beast technisch beeindruckend konstruiert und verfügte über eine Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen an allen vier Rädern, während seine überraschend zivilisierte Leistungsentfaltung es auf öffentlichen Straßen erstaunlich gut einsetzbar machte.



Nachdem das Biest startklar war, musste nun herausgefunden werden, wie schnell diese unheilige Verbindung aus Flugzeugmotor und selbstgebautem Fahrwerk sein würde. Obwohl nie formelle Tests unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wurden, weisen Berichte aus dieser Zeit auf eine Leistung zwischen 750 und 850 PS hin. John Dodd soll auf der deutschen Autobahn Geschwindigkeiten von rund 290 km/h erreicht haben. Zum Vergleich: Die schnellsten Supersportwagen, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Beast im Jahr 1972 auf den Straßen unterwegs waren, erreichten nur rund 270 km/h, was das Beast zu einem der schnellsten Straßenfahrzeuge seiner Zeit machte.

Die Geschichte des Beast endet jedoch nicht hier. Während das Fahrzeug heute so originalgetreu wie möglich nach den Spezifikationen von 1972 präsentiert wird, verklagte Rolls-Royce Dodd in den 1980er Jahren wegen der Verwendung seines Maskottchens und Kühlergrills auf einem so polarisierenden Fahrzeug. Dodd fuhr am ersten Verhandlungstag mit dem Beast zum Gericht, nur um dann – vielleicht absichtlich – mitten in London eine Panne zu haben, was ihm beträchtliche Aufmerksamkeit seitens der Presse einbrachte. Am nächsten Tag erschien Dodd zu Pferd vor Gericht und erwies sich damit als Besitzer des bizarrsten Fuhrparks aller Zeiten. Es überrascht wohl kaum, dass Dodd den Prozess verlor, eine Geldstrafe von 10.000 Pfund zahlen und die Frontpartie des Beast ändern musste. Nach dem Gerichtsverfahren zog Dodd mitsamt seinem Beast nach Malaga in Spanien. Dort wurde das donnernde Dröhnen seines 27-Liter-V12-Motors zu einem ebenso vertrauten Geräusch wie das Klirren von Gin-Tonic-Gläsern.



Unter der Obhut des derzeitigen Besitzers hat das Beast einige bemerkenswerte Veränderungen an seinem Aussehen erfahren. Die Rolls-Royce-Frontpartie wurde restauriert und das Auto mit der raffinierten zweifarbigen Metallic-Grau-Lackierung versehen, wie sie aktuell zu sehen ist. Darunter ist allerdings der ursprüngliche, hellgelbe Farbton erhalten geblieben. Im Innenraum wurde das Beast einer umfassenden Neupolsterung unterzogen, was seine Alltagstauglichkeit erhöht (vorausgesetzt, der nächste Besitzer ist eine ähnlich gestandene Persönlichkeit wie Dodd selbst). Wenn Sie bei Ihrem nächsten Cars-and-Coffee-Treffen den Tag für sich entscheiden und unter Autoliebhabern auf Dauer höchste Anerkennung erlangen möchten, könnte Ihnen das Beast dabei nachhaltig helfen.










































