


Nicht alle Autos sind gleich – man muss sich nur die Hunderte brillanter Köpfe ansehen, die unzählige Stunden in die Entwicklung der nächsten Generation von Konzeptfahrzeugen investieren, um diese Tatsache zu erkennen. Während heutige Concept Cars jedoch meist statische Aussagen zur künftigen Designausrichtung einer Marke sind, waren sie in den 1950er-Jahren weitaus funktionalere Modelle, aber nicht weniger faszinierend. Jetzt entdecken wir eines der unglaublichsten Automobile aus jener Ära, bemerkenswert für seine einmalige Zagato-Karosserie, den ersten Motor seiner Art und den unglaublich guten Erhaltungszustand: den Maserati A6G/54 2000 Spyder von Zagato aus dem Jahr 1954.



Die 1950er-Jahre waren eine entscheidende Ära für das Automobil. Die Herausforderungen des Krieges hatten Europas Ingenieure die Geheimnisse leistungsstarker Verbrennungsmotoren gelehrt, während die großen Designer und Karosseriebauer der Welt noch nicht von der Aerodynamik besessen waren. Als Folge glänzten ihre Kreationen noch mit wunderschönen, handgeformten Kurven und glitzerndem Chrom.
Während Mercedes-Benz die Essenz des 300 SLR in das einmalige „Uhlenhaut Coupé“ einfließen ließ und Ferrari das atemberaubende 375 MM Scaglietti Coupé für den italienischen Regisseur Roberto Rossellini schuf, arbeiteten Maserati und Zagato gemeinsam an einem Modell, das als eine der faszinierendsten Kreationen jener Epoche in die Geschichte eingehen sollte.



Nach der A6G/54 2+2-Studie mit Frua-Karosserie, das 1954 auf dem Turiner Salon mit Fahrgestellnummer 2063 debütierte, begann Maserati mit der Chassisnummer 2101 eine neue Nummerierungs-Sequenz, die zufällig mit dem hier abgebildeten Spyder begann. Es war das erste Auto, das den hochmodernen DOHC-Reihensechszylinder erhielt und als Prototyp für die insgesamt 60 Exemplare des A6G/54 diente, die von Michelotti, Frua und Zagato produziert wurden.
Während Frua seine eigene Version eines offenen A6G/54 produzierte, war Chassis 2101 das einzige jemals von Zagato auf dieser Plattform entstandene Exemplar. Laut Markenexperte Adolfo Orsi wurde Chassis 2101 vom argentinischen Präsidenten und bekannten Sportwagen-Enthusiasten Juan Perón in Auftrag gegeben. Konstruktionsunterlagen zufolge wurde der Spyder am 18. November 1954 zwecks seiner „Einkleidung“ an Zagato geschickt. Peróns Wahl des Dreizacks war kein Zufall; vor seinem Wechsel zu Mercedes im Juli 1954 hatte Fangio die Saison auf einem Maserati begonnen und sowohl beim Heim-GP in Buenos Aires als auch in Belgien mit dem italienischen Formel 1 gewonnen. Kein Wunder, dass sich Perón wünschte, sein Wagen möge dasselbe Emblem tragen wie der Grand-Prix-Wagen Fangios, der in Argentinien längst ein Held war.



Es wird angenommen, dass Perón anwesend war, als Chassis 2101 im März 1955 auf dem Genfer Salon erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Wagen trug die Farbe Blu Algido Scuro über einem mit ebenso luxuriösem wie ungewöhnlichem Nubukleder bezogenen Interieur. Zu den bemerkenswerten Details, die damals typisch für den Spyder waren, gehörten eine geneigte, durchgehende Windschutzscheibe, eine flache Motorhaube und Vorderkotflügel ohne Lüftungsschlitze, ein Kühlergrill aus Drahtgeflecht mit integrierten Nebelscheinwerfern und ein übergroßes Dreizack-Ornament.
Perón war offensichtlich vom Spyder angetan und bekräftigte seine Absicht, das einzigartige Showcar zu kaufen. Doch das sich rasch ändernde politische Klima in Argentinien führte bald zu einer Revolte, die Perón im Herbst 1955 ins Exil nach Spanien zwang. Obwohl der gestürzte Präsident nicht mehr in der Lage war, das Auto zu kaufen, tauchte der Spyder 1956 auf dem Pariser Salon am Stand von Thepanier, dem offiziellen Maserati-Importeur für Frankreich, wieder auf. Mit zahlreichen noch von Péron gewünschten Modifikationen.
Zu den auffälligsten Änderungen gehörten eine kleinere einteilige Panorama-Windschutzscheibe, eine neue Motorhaube mit erhöhter Motor-Ansaughutze, elegante und nun ebenfalls belüftete Kotflügel sowie ein neuer Kühler ohne Nebelscheinwerfer, aber mit einem weniger protzigen Dreizack-Emblem. Danach wurde Chassis 2101 zunächst eingelagert, um im Dezember 1958 wieder zum Verkauf angeboten zu werden.

Einige Monate später erwarb ein an der US-Botschaft in Paris arbeitender amerikanischer Diplomat diesen einzigartigen Spider und fuhr damit kurz darauf nach Le Mans, um sich im Juni 1959 das 24-Stunden-Rennen anzusehen. Wo er Zeuge des Sieges seines Landsmanns Carroll Shelby im Aston Martin wurde. Ein Jahr später verkaufte er das Auto an den Oberstleutnant Sherrod Santos von der US Air Force, der 1962 eine Motorüberholung in Auftrag gab, die jedoch, weil unsachgemäß ausgeführt, weitere Arbeiten durch einen französischen Spezialisten erforderte. Im November 1963 kehrte Santos mit dem schicken Spyder im Schlepptau in die USA zurück, wo er auf der Langley Air Force Base in Virginia arbeitete.
Colonel Santos verkaufte den Maserati – damals noch im weit weniger eleganten Farbton Rosso – 1966 an George Sackman aus Carmel, Kalifornien. Der behielt ihn bis 1970, um ihn dann an Angelo Ferro, den italienisch-amerikanischen Besitzer des Genoa Racing Teams, weiter zu veräußern. Ferro nutzte Chassis 2101 nur sehr wenig und lagerte es anschließend sogar für etwa 30 Jahre ein. Erst 2001 wurde es für eine umfassende Restaurierung unter der Aufsicht von Teamchef Ed Nelson aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Die Arbeiten umfassten eine Motorrevision durch dem Ferrari (!)-Spezialisten Paul Hasselgren, eine Neulackierung in der originalen Werksfarbe Blu Algisto Scuro durch Rob Etcheverry und ein Interior-Retrim durch Ken Nemineck.



Nach erfolgter Restaurierung im Jahr 2003 nahm Chassis 2101 am Concours d’Elegance 2003 in Pebble Beach teil, gefolgt von einem weiteren Auftritt beim Quail Motorsports Gathering 2004, wo der Maserati den ersten Platz in der Klasse „Nachkriegs-Sportwagen“ belegte. Die Erfolgsserie setzte sich 2005 fort, als das Auto beim Concorso Italiano als Best of Show ausgezeichnet wurde und mehrere Preise beim Palo Alto Concours d’Elegance einheimste. Nach der Teilnahme an der Zagato-Ausstellung beim Quail 2006 gelangte es 2010 in den Besitz des britischen Sammlers Brandon Wang. Weitere bemerkenswerte Auftritte folgten im Rahmen der offiziellen Eröffnung des Museo Casa Natale Enzo Ferrari, wo er als einziger Maserati die Einladung erhielt, im neuen Enzo-Ferrari-Museum ausgestellt zu werden, und beim Villa d’Este Concorso d’Eleganza 2013, um nur einige zu nennen. Im November 2013 wurde er bei Sotheby’s und damals noch RM Auctions an den bekannten amerikanischen Sammler Oscar Davis versteigert.

Nach Davis’ bedauerlichem Tod bot RM Sotheby’s diesen Spyder im August 2022 erneut an. Den Zuschlag erhielt ein angesehener Sammler aus Südkalifornien, der sich für die allererste ohne Rücksicht auf die Kosten nehmende Restaurierung des Wagens entschied. Er vertraute den Spyder mit Fast Cars Ltd. aus Redondo Beach, Kalifornien, einem der renommiertesten Spezialisten an, der jedes Fahrwerkselement, einschließlich Bremsen, Aufhängung und Hinterachse, sorgfältig überholte. Auch das Matching-Numbers-Getriebe wurde erstmals überhaupt gründlich überholt. Als (bisheriger) krönender Abschluss wurde der Maserati nach Abschluss dieser Restaurierung beim Pebble Beach Concours d’Élegance 2024 gezeigt, wo er die Maserati-Sonderklasse gewann und on top den Jules Heumann Special Award für das eleganteste offene Auto erhielt. Jetzt schreibt RM Sotheby’s diesen unvergleichlichen Spyder erneut zur Versteigerung aus. Eine einmalige Gelegenheit, eines der zweifellos großartigsten Fahrzeuge aller Zeiten mit dem Dreizack am Bug zu erwerben.

















































