


Wer liebt nicht einen Outlaw-Porsche? Natürlich nicht die eingefleischten Puristen, aber wir schon. Ob 911er oder 356er – diese rebellischen Maschinen verkörpern oft den ultimativen Ausdruck des Geschmacks und Freiheitsgefühls ihrer Besitzer. Als wir von diesem unglaublichen Outlaw-Umbau eines Porsche 914-6 erfuhren, wussten wir, dass wir den für den Umbau Verantwortlichen finden mussten.
Vorhang auf für Ben, ein lebenslanger Autonarr, der sich von seinem Vater mit dem Autofieber anstecken ließ. Als er ein wenig älter wurde und anfing, Teilzeitjobs anzunehmen, steckte er sein gesamtes Geld in sein Hobby: „Ich kaufte meine ersten Autos im späten Teenageralter und schenkte ihnen mit Hilfe meines Vaters viel Aufmerksamkeit. Damals machte das Auto den Mann!“
Bens erstes Auto war ein Ford Capri, den er aufpolierte und dann crashte. Gefolgt von einem VW Scirocco und einem MG Midget. Sein nächster Kauf wäre fast schon eine eigene Geschichte wert gewesen: „Mit ein paar Freunden, die auf VW umgestiegen sind, habe ich mir dann einen von einem Spezialisten umgebauten VW Käfer mit Lachgas-Einspritzung zugelegt; die Autopartys am Wochenende, vor allem die in Santa Pod, waren der Hammer.“

Mit Anfang 30 erwarb Ben endlich seinen ersten eigenen Porsche, einen 996: „Wow! Ich hatte es geschafft. Ich liebte ihn; die Qualität, das Gefühl von Stolz, die Kraft und das Fahrerlebnis. Ich hatte immer ein Lächeln im Gesicht“, erinnert sich Ben. „Aber nach einigen Jahren voller Spaß und Benzinrechnungen kamen die Kinder, und jetzt musste meine Frau Gas geben!“
Glücklicherweise werden Kinder schnell groß, und es dauerte nicht lange, bis Bens Kids in die weiterführende Schule kamen. So konnte er sich einen VW-Camper und wenig später einen wunderschön restaurierten Porsche 912 Baujahr 1969 leisten. Nachdem er 2018 als Beifahrer eines Freundes, der mit einem Nissan Micra Rallyes fuhr, angefangen hatte, stand für Ben fest, seine Autosucht auf die nächste Stufe heben zu müssen. Und hier kommt der 914 ins Spiel, der im Mittelpunkt unserer heutigen Geschichte steht.


Bis heute zählt der 914 zu den am meisten unterschätzten Porsche-Modellen. Was hat Dich an diesem verborgenen Juwel gereizt und wie hast Du dieses Exemplar gefunden?
„Am Ende wollte ich mehr: genauer gesagt einen eigenen Rennwagen. Nostalgie und das Bedürfnis, anders zu sein, verbanden sich zu einer Idee … Ein weiterer Porsche sollte es sein, aber ein günstigerer, also kein 911 – da zu teuer in Anschaffung und Unterhalt – aber was dann? Könnte er luftgekühlt sein und sechs Zylinder haben?
Mein Rallye-Kumpel (und späterer Partner beim Aufbau des 914-6) erwähnte den Porsche 914. Neben seinem ausgeprägten 70er-Jahre-Flair schien er alle Rennsport-Kriterien zu erfüllen: gutes Aussehen, zwei Sitze, Mittelmotor, bekannt gutes Handling und ein Le-Mans-Klassensieg. Außerdem schien es viele davon zu geben, und ein wenig Recherche ergab, dass sie günstig waren. Für nur 5.000 bis 6.000 Pfund konnte man ein solides Modell aus den USA kaufen. Unterschätzt, mit dem gewissen Understatement und der relativen Anonymität – da konnte ich nichts falsch machen.
Es wurde schnell klar, dass die eher seltenen originalen Sechszylinder ein Vermögen kosteten. Aber das machte nichts, man konnte einen Vierzylinder aufmotzen oder ihn mit einem beliebigen 911er-Motor zu einem Sechszylinder umbauen. Mit Kosten in Höhe von 20.000 Pfund werde ich es schaffen, dachte ich zumindest…“



Was hat Dich zum Umbau inspiriert? Das Auto versprüht einen eindeutigen Road Rallye-Vibe…
„Ich wollte unbedingt auf den 914-6 GT mit seiner Rennsport-Abstammung hinaus. Auch dessen Optik gefiel mir: der tiefe Stand auf der Fahrbahn, die breiten Radkästen, die Fuchs-Felgen. Anfangs liebäugelte ich mit Rallye-Einsätzen, aber als das Projekt voranschritt, bekam ich kalte Füße und konzentrierte mich stattdessen auf den Rundstreckensport. Diese Entscheidung wurde besiegelt, als ich aus dem Nachlass eines ehemaligen Rennsport-Enthusiasten einen ganz besonderen Motor für das Auto erwarb. Einen 911 2.0 S-Motor von 1969, der auf Doppelzündung umgebaut und in Kalifornien komplett rennbereit gemacht worden war.
Nachdem ich mich für einen Einsatzzweck entschieden hatte, suchte ich im Internet nach Inspirationen und kombinierte schließlich Elemente aus den vielen Autos, die ich mochte, zu einem. Brauchte ich zum Beispiel Cibiés für Rundstreckenrennen? Nein! Brauchte ich in Großbritannien einen vorderen Ölkühler? Wahrscheinlich nicht. Aber ich haben dann trotzdem sowohl den Kühler als auch die Zusatzscheinwerfer angebracht, sie sind einfach beide eine tolle Ergänzung.
Am Ende war die Liste der Upgrades sehr lang und das Ergebnis sehr teuer. Ein Purist hätte sicher viel zu bemängeln, aber darum ging es mir nicht. Sondern darum, etwas Besonderes zu schaffen und einen einzigartigen Klassiker mit außergewöhnlicher Liebe zum Detail zu bauen, der kompetente Rennperformance, Alltagstauglichkeit und Showqualitäten vereint. Ein eingefleischter Rennfahrer würde sicherlich noch mehr Dinge weglassen, wie die elektrischen Klappscheinwerfer oder die Armaturenbrettverkleidungen, aber ich wollte unbedingt diese besonderen kleinen Details beibehalten, die das Auto noch mehr als 914 ausweisen.“


Das Endergebnis ist wirklich spektakulär. Du hast die verschiedenen Einflüsse hervorragend ausbalanciert. Wer war für die Restaurierung verantwortlich und was waren die größten Herausforderungen beim Bau?
„Mein Freund Tim Richman und ich haben einen Großteil des Aufbaus übernommen. Er verfügte über die Werkstatt, das mechanische Know-how und die Rennerfahrung, während ich mich um das Design, die Beschaffung, die endlose Restaurierung von Teilen und die Montage kümmerte.
Das Projekt hatte einige enorm anspruchsvolle Aspekte. Entscheidend war, dass wir das Originalauto nicht zerlegten. Wir kauften es als gestrahltes Chassis, bei dem alles bereits abmontiert und verpackt war, wobei nur etwa 10 Prozent davon eingetütet und beschriftet war. Ehrlich gesagt haben wir die Komplexität des Zusammenbaus eines Autos, das man nicht kennt, und aus Teilen, die man nicht identifizieren kann, stark unterschätzt.
1974 passte einfach nichts so, wie es sollte, und um das Ganze noch spannender zu machen: Ersatzteile wie neue Gummidichtungen oder Fiberglas-Stoßstangen passten einfach nicht. Das alles führte zu großem Zähneknirschen, und scheinbar einfache Arbeiten wurden oft unglaublich mühsam und zogen sich über Tage hin. Glücklicherweise fiel ein Großteil der Arbeiten während der Covid-Pandemie an, sodass wir mehr Zeit hatten und eine massive Ablenkung genau das Richtige war.“


Autos und Schmerzen gehen oft Hand in Hand, aber das macht das Endergebnis nur noch schöner! Was gefällt Dir an Deinem 914 am besten, jetzt, wo er fertig ist? Und kannst Du uns etwas über die Farbe und die Modifikationen erzählen?
„Ich bin wirklich froh, dass ich neben den vielen Upgrades so viele Originaldetails des Autos erhalten habe. Wenn man ein Auto wie dieses baut, kennt man jede Schraube und Mutter, und jedes Teil erzählt eine Geschichte. Was die Ausstattung betrifft, habe ich das Beste, was ich finden konnte, wiederverwendet und eingebaut. Ich konnte viele der Originalteile des 914 erhalten und restaurieren, da das Auto ein USA-Import war und nur 30.000 Meilen auf dem Tacho hatte. Unter dem Schmutz waren die meisten Komponenten daher überraschend gut. Dann habe ich viele 911- und zeitgenössische Upgrades sowie hochwertige moderne Rennteile hinzugefügt.
Trotz der Anziehungskraft der bekannten Posterfarben des 914, wie Signalorange oder Viperngrün, hat mich mein widerspenstiger Charakter zu einer etwas weniger auffälligen Variante inspiriert. Sie heißt Porsche Steingrau und ist eine schwer zu beschreibende Farbe, auch weil sie bei unterschiedlichem Licht ihren Farbton stark verändert. Ich finde sie unverwechselbar und sie erinnert mich an die späten 1960er-Jahre.
Mir hat es auch viel Spaß gemacht, die kleinen Details und klassischen Aufkleber hinzuzufügen, um dem Ganzen den letzten Schliff zu verleihen. Als Uhrenliebhaber war ich schon immer von der Verbindung zwischen Porsche und Heuer angetan, daher habe ich mich besonders über einen originalen Monte-Carlo-Timer gefreut, und für dessen Montage eigens ein neues Handschuhfach gebastelt.“

Zum Abschluss noch eine Frage: Erfüllt das Fahrerlebnis Deines 914 Outlaws nach all der harten Arbeit die Erwartungen?
„Ja, das Auto fährt sich wirklich gut, ausgewogen, liegt satt auf der Straße und bietet ein super präzises Handling. Dank seiner Edelstahl-Turbo-Thomas-Auspuffanlage produziert es außerdem einen fantastischen Sound. Es macht Spaß, Gas zu geben und mit Verve in die Kurve zu gehen –zum Glück funktionieren auch die Keramikbremsen des 911 tadellos!
Meine erste Fahrt war ein kurzer Abstecher zu einem Porsche-Event in Brooklands, wo ich eingeladen wurde, auf einem zentralen Parkplatz zu parken. Darauf war ich sehr stolz und habe es sehr genossen, weitere meiner 914-Kollegen kennenzulernen. Es war sehr schön zu erleben, wie die Leute das Auto nach all der harten Arbeit zu schätzen wussten. Natürlich waren viele neugierig und überrascht vom 914. Er wird nie so schön sein wie der unnachahmliche 911, aber ich finde, er ist wunderbar stimmig, mit viel Rennsport-Appeal und einem ganz eigenen Charme. Er hebt sich definitiv von der Masse ab.
Fotos von Alex Rory Jacobs
Aus dem Englischen von Thomas Imhof






































