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Automobiler Exzess mit Gemballas Tuning-Helden im Herzen von Mailand

Selbst in der verrückten Tuningszene der 1980er- und 1990er-Jahre spielten die Kreationen von Uwe Gemballa in einer noch mal höheren Liga. Nun haben unsere Freunde von Larusmiani nicht nur einen, sondern gleich vier wilde Gemballas für ein nächtliches Rendezvous im Herzen Mailands zusammengeholt.

Im Neonlicht des Stuttgarter Nachtlebens der 1980er- und 1990er- Jahre, als Schulterpolster breit und Kotfügelverbreiterungen noch breiter waren sowie Ladedruckanzeigen regelmäßig am Anschlag waren, verwandelte ein Name das Vernünftige in das Absurd-Sensationelle: Uwe Gemballa. Wenn es in dieser Ära um Exzess ging, dann hat Gemballa mit seinem 1981 in Leonberg bei Stuttgart gegründeten Tuning-Betrieb diese Stimmung nicht nur einfach aufgegriffen – sondern mit viel Leder ausgekleidet, mit reichlich Glasfaser verbreitert und zur Sicherheit noch einen fetten Heckspoiler und Turbolader draufgepackt.

Sein für diese Exzesse sinnbildlicher Avalanche („Lawine“) von 1985 auf Basis des Porsche 911 Turbo (930) kam der damaligen Vorliebe für 911 Flachbauten („slant-nose“) mit Klappscheinwerfern, superbreiten Reifen und Werksangaben übertrumpfender Turbo-Leistung nach. Das Interieur des Breitbaus wartete parallel mit einem Maß an Luxus auf, das jedem Yachtbauer zur Ehre gereicht hätte. 

Selbst das technologische Wunderwerk Porsche 959 nutzte Gemballa für eine (nach seinen Maßstäben) dezente Individualisierung, was ihm in der hochoktanigen Welt der Formel 1 und in Kreisen des globalen Jetsets neue Kunden zuführte. Von Puristen naserümpfend ignoriert, aber von Power-Typen aus nicht immer ehrenwerten Kreisen verehrt, wirken die Kreationen des Extrem-Veredlers aus den 1980er-, 1990er- und frühen 2000er-Jahren heute wie unapologetische Zeitkapseln – kühne, turbogeladene Denkmäler einer Ära, in der – wie auch die extremen Ferrari-Umbauten von Willy König aus München zeigten – mehr nie genug war. Jetzt haben unsere Freunde von der italienischen Luxusmarke Larusmiani vier sehr unterschiedliche Gemballa-Kreationen für ein nächtliches Tuning-Revival im Herzen von Mailand zusammengetrommelt.

Von der lackierten Üppigkeit des Cyrrus bis zum wüstenangehauchten Drama des Marsien lesen sich die größten Hits von Gemballa wie ein Manifest für maximale Wirkung. Der nur zehn bis 15-mal gebaute Cyrrus von 1986 verwandelte das Porsche 911 Carrera 3.2 Cabriolet in einen Boulevardstar mit Flat-nose, Wide-body-Kit, von RUF getuntem Turbo- oder Saugmotor und Testarossa-ähnlichen seitlichen Lufteinlässen. Der GTR Evo Biturbo aus den frühen 2000ern interpretierte den 911 GT2 (996) neu – so konsequent, als wolle man mit ihm für neue Rekordrunden zur Nürburgring-Nordschleife ausrücken. Dem 2006 streng auf 25 Einheiten limitierten Mirage geht dank eines Updates auf 670 PS erst bei Tempo 335 langsam die Luft aus; zahlreiche Carbon-Anbauteile drücken seine Ambitionen unmissverständlich an. Last but not least verwandelte Marc Philipp Gemballa, Sohn von Uwe Gemballa, mit dem Marsien den 911 Turbo S (992) in ein 830 PS starkes, mit ebenfalls viel Kohlefaser verkleidetes Offroad-Hypercar. Verschiedene Jahrzehnte, verschiedene Spenderfahrzeuge – dieselbe Gemballa-Signatur: Man nehme schwäbische Präzision und drehe den Lautstärkereger voll auf.

Der gelbe Gemballa GTR Evo Biturbo aus 2001 erfüllt alle Wünsche, die wir heute an PS-starke Boliden aus den Anfängen des neuen Jahrtausends haben: Ausgehend vom ohnehin schon extremen Porsche 911 GT2 996 verwandelte Gemballa den Mezger-Sechszylinder-Boxer in einen aufgeladenen Hammer, vergrößerte ihn auf 3,8 Liter und verpasste ihm leistungsstärkere Turbos, um so in Leistungsregionen vorzustoßen, die Anfang der 2000er-Jahre an Schamlosigkeit grenzten. Der tiefgezogene Frontspoiler, diverse Lüftungseinlässe und ein hoch aufragender, verstellbarer Heckflügel verliehen ihm die Optik eines verkappten GT-Renners, der mit noch angebrachten Nummernschildern aus der Boxengasse gerollt war. 

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