Der Motorsport gehört seit der Gründung des Unternehmens zur Marken-Identität von BMW. Nur sechs Jahre nach Produktionsbeginn des ersten Motorrads im Jahr 1923 stellte Werksfahrer Ernst Henne 1929 mit einer von einem Kompressor aufgeladenen BMW WR750 seinen ersten Motorrad-Weltrekord auf. Bis 1937 erzielte er sage und schreibe 76 Bestmarken, und auch die vierrädrigen Kreationen von BMW waren nicht weniger erfolgreich. Weniger als ein Jahrzehnt nach dem Bau ihres ersten Serienautomobils feierte BMW 1936 mit dem brandneuen 328 und ebenfalls Ernst Henne am Steuer beim Eifelrennen auf dem Nürburgring auf Anhieb den Sieg in der Zweiliter-Klasse. Er folgten Erfolge bei der RAC TT (1937/1938) und der Alpenrallye (1938), ein Klassensieg in Le Mans 1939 und der Sieg bei der Mille Miglia 1940.



Nach dem Krieg nahm BMW seine Motorsportaktivitäten wieder auf. Privatteams wie Alpina und Schnitzer setzten ab den späten 60er-Jahren erfolgreich von BMW gebaute Tourenwagen wie den 2002 oder die CS-Coupés ein – jeweils modifiziert von den findigen Technikern der Teams. Anfang der 70er-Jahre reiften dann Pläne für die Gründung einer eigenen Werksrennabteilung. An der Spitze dieser Bewegung stand Bob Lutz, der Anfang 1972 die Adam Opel AG verlassen hatte, um Vertriebs- und Marketingdirektor bei BMW zu werden. Seine Verkaufsstrategie folgte dem alten Motto: „Am Sonntag gewinnen, am Montag verkaufen – win on Sunday – sell on Monday“.

Zum ersten Geschäftsführer der neuen BMW Motorsport Gmbh ernannt wurde Jochen Neerpasch. Geboren in Krefeld, Ex-Porsche-Werksfahrer und zusammen mit dem Technikfuchs Martin Braungart von der Ford-Rennsportabteilung in Köln abgeworben. Gemeinsam sollten sie nun die Entwicklung, den Bau und den Einsatz neuer BMW-Tourenwagen vorantreiben.

Dies bringt uns zu unserem Star des Tages. Chassis E9/R1, nicht nur der erste von nur 21 gebauten „Werks“-CSL, sondern auch das Allererste jemals produzierte „BMW M“-Fahrzeug. Von den 21 Autos wurden tatsächlich nur elf vom Werksteam eingesetzt, wobei E9/R1 eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der neuen BMW-Tourenwagenwaffe spielte. Aufgebaut wurde er im kalten Winter 1972/73 und diente dem Werksteam als Test- und Entwicklungsfahrzeug, insbesondere zur Optimierung des legendären „Batmobil“-Aerodynamik-Kits, der aber erst im Juli 1973 homologiert sein würde.

Umfangreiche Testfahrten fanden im Winter in Paul Ricard und Hockenheim statt, wobei sich Hans-Joachim Stuck und Harald Menzel die Arbeit teilten. Nach Abschluss der Tests baute die Motorsportabteilung drei weitere Fahrzeuge (Fahrgestellnummern 2275999, 2275998 und 2275997) für Starts in der Tourenwagen-EM und der DRM (Deutsche Rennsport-Meisterschaft) auf. Der E9/R1 begleitete die anderen Chassis als T-car zum ersten EM-Lauf der Saison 1973 in Monza, bevor er mit Stuck und Menzel in der DRM an den Start ging.
Aufgrund der strengen Homologationsregeln der FIA startete der E9/R1 die Saison 1973 zunächst ohne aerodynamische Hilfsmittel. Obwohl BMW die von der FIA geforderte Stückzahl von 1000 straßenzugelassenen CSL-Modellen bald erreicht hatte, sollte es erst zum 1. Juli 1973 möglich sein, die Homologation für das aerodynamische „Batmobil“-Paket zu erhalten. Es umfasste einen größeren Frontspoiler, zusätzliche Spoiler am Dachabschluss und am Heck, kleine Leitbleche an den Seiten der Motorhaube und einen leistungsstärkeren 3,5- anstelle des in Monza eingesetzten 3,3-Liter-Motors.



Die Geschichtsbücher belegen, wie sehr BMW darauf erpicht war, das neue Aero-Coupé so schnell wie möglich einzusetzen. Nachdem sich „Strietzel“ Stuck am 30. Juni noch ohne das Aero-Kit für den DRM-Lauf in Mainz-Finthen qualifiziert hatte, trat die Homologation der FIA für das Upgrade-Paket pünktlich um Mitternacht in Kraft. Die Werksingenieure von BMW zögerten keine Sekunde und brachten den Wagen umgehend zum örtlichen BMW-Händler. Dort arbeiteten sie die ganze Nacht hindurch, um Stucks CSL auf die neue Spezifikation aufzurüsten. Am Ende blieb gerade noch genug Zeit für einen der Mechaniker, den Wagen am 1. Juli und kurz vor Rennbeginn über öffentliche Straßen zurück zur Rennstrecke zu fahren.

Im glänzenden neuen Gewand rollte Stuck den E9/R1 an den Start und zeige zunächst eine vielversprechende Vorstellung. Leider war sie schon nach zwölf von 40 Runden mit einem Defekt an der Wasserpumpe jäh beendet. Dafür fuhr Teamkollege Menzel am 5. August beim im Rahmenrennen zum Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring ausgetragenen Lauf auf den ersten Platz und löste damit eine Kettenreaktion aus. Die E9/R1 und Menzel weitere Gesamtsiege bei den Läufen in Kassel-Calden und beim ADAC-500-km-Eifelpokalrennen auf der Nordschleife am 2. September bescherte.
Nach der erfolgreichen Saison 1973 – die BMW auch den Titel des Tourenwagen-Europameisters einbrachte – verkaufte die BMW Motorsport GmbH den E9/R1 zusammen mit dem Schwesterfahrzeug mit Fahrgestellnummer 2275997 für die stattliche Summe von 99.000 DM an das amerikanische Rennteam Hurtig Libra Team, das ihn mit den Top-Piloten George Follmer, Brett Lunger und John Buffum in der IMSA-Serie 1974 einsetzte. Die Erfolge mit beiden CSL veranlassten die BMW Motorsport GmbH zweifellos dazu, für 1975 selbst an der IMSA teilzunehmen – mit Hans-Joachim Stuck als einem der Fahrer.

Das Hurtig Libra Team verkaufte den E9/R1 nach der Saison 1974 an Daniel Muniz aus Mexiko-City, später wurde das Auto dann aus dem Rennsport zurückgezogen. In den 1980er-Jahren erwarb der bekannte BMW-Sammler Richard Conway den E9/R1, ehe er Mitte der 1990er-Jahre erneut den Besitzer wechselte und in den Besitz eines privaten BMW-Sammlers und führenden Experten für BMW-Rennwagen überging.



In jüngerer Vergangenheit erfuhr E9/R1 eine fachgerechte Restaurierung, die darauf abzielte, die Originalität dieses äußerst bedeutenden Renntourenwagens zu bewahren. Zum ersten Mal seit über drei Jahrzehnten feierte er dann 2021 beim Goodwood Festival of Speed sein öffentliches Debüt. In der Vor-Homologationsspezifikation von 1973 fuhr er den Goodwood Hill hinauf. Im August 2025 nahm E9/R1 an seinem ersten Concours-Wettbewerb teil – dem Salon Privé Concours d’Elegance in Blenheim Palace. Nun stolz in seiner vollständigen „Batmobil“-Spezifikation, würdigte die Jury die unbestreitbare historische Bedeutung des E9/R1 mit der prestigeträchtigen Auszeichnung „Most Iconic Car“.


Die Bedeutung dieses unglaublichen Stücks Motorsportgeschichte lässt sich kaum überschätzen. Denn der E9/R1 ist zweifellos einer der bedeutendsten BMW, die jemals München verlassen haben: Er ist der erste BMW „M“-Wagen überhaupt, der erste Werks-CSL mit dem legendären Aerodynamikpaket und der erste von nur 21 gebauten Werks-CSL. E9/R1 legte den Grundstein für BMWs Dominanz in der Tourenwagen-EM, allein 1973 feierten sie in München sechs Laufsiege in der EM, einen Rundenrekord (durch Niki Lauda!) auf dem Nürburgring und ein Klassensieg in Le Mans. Nun bietet Dylan Miles die einmalige Gelegenheit, dieses seltene Exemplar in Ihre Sammlung aufzunehmen. Der Wagen befindet sich in makellosem Zustand, verfügt über eine lückenlose Historie und ist seit seiner Erstzulassung in bekanntem Besitz.
Historische Fotos mit freundlicher Genehmigung von BMW Classic und des Besitzers.
Aus dem Englischen von Thomas Imhof










































