


Der 912 wurde 1965 als „vernünftiger“ Bruder des frisch erschienenen 911 auf den Markt gebracht und war Porsches pragmatische Antwort auf ein selbst verursachtes Problem. Der Preisanstieg des 911 im Vergleich zum auslaufenden 356 drohte, treue Kunden zu verschrecken. Daher bot Stuttgart die elegante neue Karosserie zusätzlich mit dem beliebten 1,6-Liter-Vierzylinder-Boxermotor an.
Der 912 war leichter, perfekt ausbalanciert und weniger frontlastig als sein Sechszylinder-Bruder und verband geschickt den Charme des abgelösten 356 mit den modernen Linien des 911. Jahrzehntelang galt er als Außenseiter, als ein Auto, das eben kein 911er war, und auf dem Papier fehlte dem 912 tatsächlich die Dramatik, in die sich beim 911 so viele Hals über Kopf verliebt hatten. Weniger Zylinder, weniger PS und zumindest damals weniger Grund zum Angeben auf dem Parkplatz des Tennis-Clubs.

Aber hinter dem Lenkrad? Der 912 war eine Offenbarung. Der leichtere Motor ließ das Fahrwerk lebendig, verspielt und perfekt kommunikativ wirken, wie es einige frühe 911er, die mit doppelter Leistung und massiverem Übersteuern gesegnet waren, nie ganz erreichen konnten. Der 912 lieferte weder brutale Beschleunigung noch hohes Spitzentempo, überzeugte aber mit puristischer Fahrfreude.
Genau dieser Purismus ist der Grund, warum sich der 912 vom „preisgünstigen Porsche” zu einem Kultklassiker entwickelte. Sammler haben seinen Wert aufgrund der Ausgewogenheit, seinem zurückhaltenden Charme und der entscheidenden Rolle für das Überleben von Porsche erkannt. Ohne den 912, der Ende der 1960er Jahre für kontinuierliche Verkaufszahlen sorgte, wäre die Legende des 911 vielleicht nur eine kurzlebige Fußnote geblieben. Ist der 912 also besser als der 911? Sagen wir es so: Der 912 ist die Wahl der Kenner und der Beweis dafür, dass weniger manchmal wirklich mehr ist.



























