


Der erste C 63 hat auf Anhieb Geschichte geschrieben, schließlich definierte die brachiale Mittelklasse die Bedeutung der drei Buchstaben AMG komplett neu. Während die veredelten Mercedes aus Affalterbach bisher mit ihrer souveränen Kraft, einem eher unaufdringlichen Sound und großteils auch einer eher dezenten Optik eine vornehme Kundschaft ansprachen, war die von 2007 bis 2015 angebotene Performance-Variante der C-Klasse-Generation 204 ein echter Rebell.
Mit seinen muskulösen Radläufen, der kantigen Frontschürze, ausgestellten Schwellern, seinem Diffusor, dem unübersehbaren 6.3-Logo auf dem vorderen Kotflügel und den vier großen Endrohren machte er schon auf den ersten Blick unmissverständlich klar, dass es sich bei ihm um keinen braven C 180 handelt. Bei seinem rundlichen Vorgänger C 55 AMG war designtechnisch noch eher Understatement angesagt, da er näher bei seinen schwächeren Brüdern blieb.
Echte Mechanik statt High-Tech
Heute wird das Biest genau wegen dieser Rohheit geschätzt, die ihn fast zwei Jahrzehnte nach seinem Debüt bereits zum Sammlerobjekt macht. Kern des Ganzen ist der 6,2 Liter große V8 mit der Kennung M156, eine Eigenentwicklung der Performance-Spezialisten. Ja, der klangstarke Achtzylinder hat tatsächlich einen Hubraum von 6.208 Kubikzentimetern; die Schwaben haben bei der Modellbezeichnung also untypischerweise etwas hochgestapelt.
Im Vergleich zu seinen beiden Nachfolgern, die mit ihrem 4,0 Liter großen Biturbo-V8 und in der aktuellen Auflage sogar mit einem Vierzylinder-Plug-in-Hybrid dem Downsizing-Trend folgten, besticht er durch sein unverfälscht mechanisches Gefühl und seine Einfachheit. Gegenüber der dritten Generation und ihrem umstrittenen „Performance-Hybrid“ wirkt er im besten Sinne wie „Low-Tech“.



Die Unterhaltskosten sollte man nicht unterschätzen
Dieser Umstand sorgt auch für eine erfreulich hohe Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. „Auch heute kann ein guter W 204 C 63 bestens als Alltagsauto funktionieren. Aber nur, wenn man ihn nicht wie einen vernachlässigten C 220 CDI behandelt“, sagt Linus Otto von Mechatronik im Gespräch mit Classic Driver. Das Unternehmen aus Pleidelsheim gehört weltweit zu den renommiertesten, wenn es um exklusive und leistungsstarke Modelle mit dem Stern geht.
Otto betont aber eben auch, dass C 63-Interessenten Wartungsdisziplin und das dafür nötige Budget mitbringen müssen. „Billig wird der Unterhalt im Vergleich zu einer niedrigen Motorisierung nie“, meint Otto. Neben den Werkstattkosten fallen auch die Ausgaben für Steuer und Versicherung üppig aus – ganz zu schweigen vom Verbrauch, der realistisch deutlich jenseits der 15-Liter-Marke liegt.
Der M156-V8 birgt einige kleinere Tücken
Allgemein gilt die C-Klasse der Generation W 204 als robuster Dauerläufer. Auch bei der AMG-Version stimmt die Langzeitqualität, auch wenn bei dem V8-Motor ein paar Schwachstellen bekannt sind. Dazu gehören bei frühen Exemplaren die Schrauben der Zylinderköpfe. Unabhängig vom Baujahr berichtet der Mechatronik-Experte von verschlissenen Nockenwellen und Hydrostößeln, eingelaufenen Verstellern und Verstellerplatten sowie Undichtigkeiten oder Defekten bei den Ansaugbrücken.
Ölverlust ist ein Thema, vor allem an den Ventildeckeln, den Magnetversteller-Abdeckungen und am Gehäuse des Ölfilters. Da sie mittlerweile auch einige Jahre auf dem Buckel haben, können auch Nebenaggregate wie Umlenkrollen und Keilrippenriemen Verschleiß zeigen. Ein W-204-typisches Problem, unabhängig von der Motorisierung, ist Rost an den Hinterachsträgern und den Bremsleitungen.

Bei der Besichtigung gilt Technik vor Optik
Statt sich von glänzendem Lack verführen zu lassen, sollte der Fokus auf einer lückenlosen Historie und dem Kilometerstand liegen, da eine nachvollziehbare Vita bei Autos dieser Art zu den wichtigsten Kriterien gehört. Man trifft im AMG-Bereich leider häufig auf Exemplare, die zwar sportlich bewegt, aber in Sachen Pflege und Wartung sträflich vernachlässigt wurden. Ein runder Motorlauf und keinerlei Kühlmittelverlust haben bei einem Besichtigungstermin ein deutlich höheres Gewicht als eine makellose Optik.
Wenn man Zugriff auf eine Hebebühne hat, sollte man den Zustand der Hinterachsträger sowie die Bremsleitungen checken. Ein Blick auf den Zustand der Reifen und die Dämpfer verrät viel über die Sorgfalt des Vorbesitzers. Interessenten sollten immer im Hinterkopf behalten, dass für eine Revision des Achtzylinders schnell mal vier- oder sogar fünfstellige Beträge fällig werden. Auch der Wechsel der Bremsbeläge und umfangreiche Inspektionen liegen preislich deutlich über dem Niveau einer herkömmlichen C-Klasse und über dem, was man im Vornherein erwartet hatte. „Nach dem günstigsten Einstiegspreis zu gehen, ist beim C 63 oft der teuerste Weg“, gibt Otto zu bedenken.

Der C 63 hat mit der Modellpflege deutlich gewonnen
Die Preise des ersten C 63 AMG gehen auf dem Gebrauchtwagenmarkt weit auseinander. Ab etwa 20.000 Euro gibt es Vor-Facelift-Modelle mit vielen Kilometern und einer lückenhaften Historie. Für nach der Überarbeitung gefertigte Autos, bei denen ordentlich in die Pflege investiert und die Wartungsintervalle eingehalten wurden, geht es eher in Richtung 50.000 Euro.
„Die Modellpflege ab Sommer 2011 ist insgesamt die empfehlenswertere Wahl. Das betrifft nicht nur Optik und Innenraum, sondern auch die neue und schneller agierende Siebengangautomatik und den reiferen Gesamteindruck“, sagt der Experte von Mechatronik. Unter dem Strich komme es aber auch bei diesen Exemplaren auf den Pflegezustand an. Wenn man die Wahl zwischen einem Facelift-Modell mit einer hohen Laufleistung sowie unbekannter Historie und einem top erhaltenen und dokumentierten frühen Exemplar hat, sollte man sich im Zweifelsfall trotzdem für Letzteres entscheiden.
Die Preisspanne exklusiver Sondereditionen ist derweil beachtlich: Während die Edition 507 Kurs auf die 100.000-Euro-Marke nimmt, haben sich die besten Black-Series-Modelle längst im Bereich weit oberhalb von 200.000 Euro etabliert. Von dieser brachial verspoilerten und 517 PS starken Topversion wurden insgesamt nur 800 Stück gebaut. Sie stehen bei Sammlern hoch im Kurs, die für einzigartige Exemplare gut und gern 300.000 Euro auf den Tisch blättern. Dies dürfte in Sachen Wertentwicklung aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Übrigens nicht nur bei der Black Series oder der Edition 507, sondern auch beim „normalen“ C 63 AMG mit 457 PS, der als letzter Sauger noch echte Emotionen bietet und allein deshalb langfristig weiter im Wert steigen dürfte. Vor allem Exemplare mit „Performance“-Paket ist begehrt.



Der Kombi birgt den größten Überraschungseffekt
Auf dem Markt stehen das Coupé (C 204) und geschmackvoll konfigurierte Limousinen besonders hoch im Kurs, während das seltener vertretene T-Modell (S 204) seinen ganz eigenen Reiz als „Wolf im Schafspelz“ ausspielt und dabei auch noch als praktischer Familienlaster taugt. Letztlich ist die Wahl der Karosserieform eine Frage des Geschmacks und der Anforderungen, da jede Variante ihre feste Käufergruppe bedient.
Ob man den Wagen als Investment wegstellt oder aktiv nutzt, hängt dabei voll und ganz von den persönlichen Plänen ab. „Allgemein gilt, dass es bei den meisten W 204 C 63 nicht auf jeden letzten Kilometer ankommt, weshalb es nicht besonders wehtut, das Auto zu fahren. Hohe Laufleistungen sind bei guter Wartung und Pflege nicht unbedingt problematisch“, unterstreicht Linus Otto.
Fotos: Mechatronik










































