Direkt zum Inhalt

Magazin

Drei Supercar-Generationen kommen in Amelia Island unter den Hammer

Drei Ära-definierende Supersportler von Lamborghini, Ferrari und Porsche, die jeweils ihre eigene Ära geprägt haben, bilden die Highlights der Broad Arrow-Auktion auf Amelia Island. An der Spitze steht ein einzigartiger Carrera GT in ‚Gulf Blue‘, der bis zu 7 Millionen Dollar bringen soll.

Das zu Hagerty gehörende Auktionshaus Broad Arrow bietet bei seiner jährlichen Amelia Concours Auktion, die in diesem Jahr am 6. und 7. März stattfindet, wie gewohnt eine herausragende Auswahl an Sammlerstücken an. Drei Ikonen sind dabei von besonderem Interesse, da sie den Gipfel der Sportwagen-Technologie ihrer jeweiligen Ära repräsentieren. Lamborghini hatte das Supercar-Genre mit dem Miura einst begründet – ausgestattet mit V12-Mittelmotor und einer bildschönen Karosserie aus der Feder von Marcello Gandini. Er war der Traumwagen der späten Sechziger und frühen Siebziger. Zwei Jahrzehnte später schockierte Ferrari die Automobilwelt mit dem kompromisslosen F40, dem letzten straßenzugelassenen Modell, das anlässlich des 40. Firmenjubiläums vom 'Maestro' persönlich abgenommen wurde. Kurz nach der Jahrtausendwende wanderte die Supersportwagen-Krone nach Deutschland – genauer gesagt nach Zuffenhausen. Der Carrera GT, das Herzensprojekt von Porsches Entwicklungsabteilung, schlug die italienische Konkurrenz mit seinem hochdrehenden V10-Saugmotor, zeitlosem teutonischem Design und einem einzigartigen Maß an Präzision. Alle drei Modelle sind ein absolutes Must-have für jede ernstzunehmende Supercar-Sammlung.

1972 Lamborghini Miura P400 SV

Die Automobilwelt war eine völlig andere, nachdem Lamborghini den Miura im März 1966 auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert hatte. Der Stier aus Sant’Agata war ein technologischer Geniestreich eines Herstellers, der eigentlich über keinerlei Rennsport-Tradition verfügte. Firmengründer Ferruccio Lamborghini fühlte sich vor allem von seinem Erzrivalen Enzo Ferrari dazu angestachelt, einen Sportwagen zu bauen, der dessen Produkten überlegen war.

Tatsächlich war der neue Miura den Modellen aus Maranello in vielerlei Hinsicht technologisch voraus. Er war nach dem Matra Djet erst das zweite Serienmodell mit Mittelmotor. Mit seinem kraftvollen, hinter den Sitzen quer eingebauten V12-Motor und seinem verwindungssteifen Chassis, dessen Entwicklung von Dallara geleitet wurde, realisierte Lamborghini ein revolutionäres Konzept. Es avancierte zur Blaupause für das moderne Supercar. Hinzu kam die spektakuläre, flache Bertone-Karosserie mit ihren markanten Klappscheinwerfern und den aerodynamischen Lamellen über dem Heckfenster.

Fast genau sechzig Jahre nach dem Debüt des Miura versteigert Broad Arrow nun ein weitgehend originales Exemplar. Es handelt sich um ein im Winter 1971/1972 gebautes Exemplar der späten SV-Version, die ohne die charakteristischen 'Wimpern' an den Scheinwerfern auskommen muss. Der SV war ausgereifter und leistungsstärker als die frühen Varianten des Supercar-Pioniers. Sein 3,9-Liter-Zwölfzylinder mit vier Weber-Vergasern leistete 385 PS – das waren 15 PS mehr als beim P400 S und sogar 35 PS mehr als bei der Ur-Version. Dieses Exemplar mit der Fahrgestellnummer 4976 ist eines von nur 13 für den US-Markt bestimmten Modellen, die mit zwei separaten Ölkreisläufen für den Motor und das Getriebe (Split-Sump) sowie einer Borletti-Klimaanlage ausgestattet wurden.

Ursprünglich verließ der Miura das Werk mit einer silbernen Lackierung in dem Ton 'Argento Indianapolis Metallizzato' mit schwarzem Leder und grauen Teppichen. Gegen Ende des Jahrzehnts erhielt er jedoch diese Lackierung in Dunkelblau. Der aktuelle Farbton kommt der Werksfarbe 'Blu Notte' sehr nahe und steht dem Wagen ausgezeichnet. Ein Jahr nach der Auslieferung an den US-Importeur Modena Racing Company ging der Supersportler in den Besitz des texanischen Sammlers Dr. Hector A. Escamilla über, in dessen Besitz er über ein halbes Jahrhundert verblieb. Er gewährte seinem dezent konfigurierten Stier ab und an auch Auslauf: zum Zeitpunkt der Katalogisierung standen 18.212 Meilen auf dem Tacho.

 

AUTO ANSEHEN

 

1990 Ferrari F40

Das Supersportwagen-Thema nahm eine völlig neue Dimension an, als Ferrari am 21. Juli 1987 den F40 enthüllte. Dieser Wagen war weit mehr als nur ein Jubiläumsmodell. Es definierte den Kern des gesamten Segments neu, indem es den mechanischen Purismus eines Rennwagens konsequent auf ein straßentaugliches Format übertrug. Unter der technischen Leitung von Nicola Materazzi entwickelte das Ingenieursteam einen doppelt aufgeladenen 2,9-Liter-V8 sowie ein innovatives Fahrgestell aus Carbon und Kevlar, um neue Maßstäbe in Sachen Performance zu setzen. Dieser kompromisslose Ansatz verwirklichte Enzo Ferraris letzte Vision eines 'echten Ferrari'. Zudem lieferte die im Windkanal perfektionierte Pininfarina-Silhouette die Inspiration für Dutzende Supercars, die in den folgenden Jahren erscheinen sollten.

Dieser F40 mit der Fahrgestellnummer 87219 war für den US-Markt bestimmt und verließ das Werk im Oktober 1990. Als eines von nur 213 für die USA bestimmten Exemplaren ist dieser Wagen besonders begehrt, da es sich um die Variante ohne das spätere elektronische Fahrwerk handelt. Er verfügt stattdessen über ein direktes, fest eingestelltes Setup, weshalb er ein ungefiltertes Fahrerlebnis bietet. Die dokumentierte Historie begann am 29. Dezember 1990 mit der Auslieferung durch Continental Motors in Illinois an den Erstbesitzer Thomas Murphy zu einem Verkaufspreis von fast 400.000 Dollar. Später befand sich der Ferrari elf Jahre lang im Besitz des Neurochirurgen Dr. Sheldon Lazar, der den Wagen bei Lake Forest Sports Cars regelmäßig fachmännisch warten ließ und gleichzeitig auf eine niedrige Laufleistung achtete.

In den folgenden zwei Jahrzehnten ging der F40 durch die Hände verschiedener Sammler in Florida, Kalifornien und Texas. Im Mai 2008 erhielt er die 'Red Book'-Zertifizierung von Ferrari Classiche, die bestätigt, dass Fahrwerk, Motor und Getriebe noch den ab Werk verbauten Originaleinheiten entsprechen. Der hervorragende technische Zustand wird durch eine lückenlose Servicehistorie belegt, die zuletzt im Dezember 2025 durch einen umfassenden Service im Wert von 21.000 Dollar untermauert wurde. Mit aktuell 8.065 Meilen auf der Uhr befindet sich der Wagen in einem makellosen Concours-Zustand. Bewiesen wird dies durch den Gewinn des 'Platinum Award' bei der Veranstaltung Cavallino Classic. Zusammen mit dem Original-Werkzeug und dem seltenen Schedoni-Koffersatz ist dieser F40 ein bemerkenswert gut erhaltenes Zeugnis der ausklingenden Enzo-Ferrari-Ära. Das Auktionshaus gibt das Estimate mit für diesen Zustand angemessenen 3,25 bis 3,75 Millionen US-Dollar an.

 

AUTO ANSEHEN

 

2005 Porsche Carrera GT

Zwölf Jahre nachdem der letzte 959 fertiggestellt worden war, interpretierte Porsche das hauseigene Konzept des Supersportwagens neu und präsentierte auf dem Pariser Automobilsalon im Jahr 2000 die Studie des Carrera GT. Um dessen reine Rennsport-DNA zu demonstrieren, steuerte Walter Röhrl den Prototypen in der Morgendämmerung publikumswirksam durch die noch stillen, regennassen Straßen von Paris. Dabei hallte der hochfrequente Klang des V10-Motors am Arc de Triomphe und am Louvre wider. Dieses Triebwerk war das Ergebnis eines Entwicklungsprogramms für die Formel 1 und Le Mans, das jedoch nie an der Startlinie eines Rennens ankam. Durch die Kombination dieses reinrassigen Rennmotors mit einem Carbon-Chassis und einem traditionellen Schaltgetriebe schuf Porsche einen der spektakulärsten und authentischsten Supersportwagen aller Zeiten.

Die Geschichte dieses Modells wird durch das Exemplar mit der Nummer 0555 perfekt verkörpert. Dieser Wagen aus dem Jahr 2005 hebt sich deutlich von der restlichen Produktion ab. Während die meisten Carrera GT in einer von nur fünf Standardfarben ausgeliefert wurden, handelt es sich hierbei um das einzige in den USA ausgelieferte Exemplar in der geschichtsträchtigen Sonderfarbe 'Gulf Blue' aus dem 'Paint to Sample'-Programm. Dieser hellblaue Farbton genießt in der Porsche-Welt Kultstatus, da er durch die 917-Rennwagen berühmt wurde, die in den frühen siebziger Jahren in Le Mans dominierten. In Kombination mit einer Lederausstattung in Ascotbraun wurde für diese Sonderlackierung 2005 ein Aufpreis von 15.500 Dollar fällig. Damit zählt der Wagen zu den seltensten der insgesamt 644 nach Nordamerika gelieferten Exemplare. Dieser außergewöhnliche Spec erklärt auch das hohe Auktions-Estimate. Dieses liegt mit 6 bis 7 Millionen Dollar etwa dreimal so hoch wie der übliche Marktwert für einen 'normalen' Carrera GT.

Seit der Erstauslieferung befand sich der Wagen im Besitz von lediglich drei privaten Sammlern und verbrachte die meiste Zeit in einer klimatisierten Umgebung in Florida. Er hat seit der Auslieferung nur 2.807 Meilen zurückgelegt, was durch eine lückenlose Servicehistorie belegt wird. Anfang 2026 wurde im Rahmen eines Rückrufs das Fahrwerk gewartet. Zudem erhielt der Wagen einen neuen Satz Michelin Pilot Sport Cup 2 Reifen, die speziell zur Optimierung des Handlings entwickelt wurden. Zusammen mit dem originalen 'Window Sticker', den Handbüchern sowie dem passenden Kofferset in Ascotbraun ist dieser Carrera GT in Gulf Blue ein einzigartiges Stück moderner Porsche-Geschichte.

 

AUTO ANSEHEN

 

 

Watch our latest videos