


Deutsche Designer strebten schon immer danach, mit wenigen Mitteln möglichst viel zu erreichen. Das gilt für die klassische Bauhaus-Moderne und ihre visionären Architekten wie Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe genauso wie für die Designmeistern der Nachkriegszeit wie Dieter Rams und Otl Aicher, die für Firmen wie Braun, Lufthansa und die Deutschen Bank zeitlos-klare Produkte und visuelle Markenwelten entwarfen. Die ästhetische Tradition des Landes zeichnet sich durch eine gewisse pragmatische Zurückhaltung und rationalistische Denkhaltung aus, eine Faszination für Funktionalität, geometrische Reinheit und die mechanische Schönheit der Technik. Und wenn es eine Automobilmarke gab, die diese ästhetische Tradition am besten auf vier Räder übertragen hat, dann war es Audi.



Das gestalterische Erbe begann mit den stromlinienförmigen Grand-Prix-Rennwagen der Auto Union in den 1930er-Jahren mit ihren verblüffend schönen Aluminiumkarosserie – frei von jeglichem Ornament und rein auf Aerodynamik und Leistung getrimmt, lieferten sie sich auf den Rennstrecken einen harten Wettkampf mit der Konkurrenz. Doch erst die puristische Bauhaus-Renaissance der 1990er-Jahre brachte das Unternehmen zurück an die Weltspitze: Zunächst in Form von J. Mays‘ skulpturalem Audi Avus quattro-Konzept von 1991, dann 1998 mit Peter Schreyers legendärem Audi TT, der mit seinen perfekten Kreisen und Bögen absolute Designreinheit zelebrierte. Plötzlich war poliertes Aluminium nicht mehr nur ein Material, sondern ein Design-Statement. Geometrische Reinheit wurde zum ultimativen Ziel – und zwar von Ingolstadt bis ins Silicon Valley, wo ein junger Designer mit einem Faible für deutschen Designpurismus namens Jonathan Ive gerade am ersten iPhone-Prototypen arbeitete.
Nach einigen Jahren der ästhetischen Selbstfindung hat Audi nun seine Rückkehr zu seinem charakteristisch-minimalistischen Designerbe verkündet. Als Vorgeschmack auf die Zukunft präsentiert das Unternehmen in Mailand ein verblüffend schlichtes und zugleich markantes Konzeptauto: Der vollelektrische Audi Concept C ist ein Roadster in der Tradition des TT, seine markante Schulterlinie definiert das Volumen des zweisitzigen Sportwagens, während der kurze Radstand durch die Mittelbatteriearchitektur bedingt ist. Erstmals setzt Audi bei einem Roadster ein elektrisch versenkbares Hardtop ein: Es besteht aus zwei Dachelementen, die die monolithische Form des Autos unterstreichen und gleichzeitig offenen Fahrspaß ermöglichen. Das wichtigste neue Designelement ist jedoch der vertikale Kühlergrill, der an den Auto Union Typ C Rennwagen von 1936, aber auch an die Rosemeyer-Studie aus dem Jahr 2000 und den Audi A6 von 2004 erinnert. Wir sind überzeugt, dass Sie diesen neuen vertikalen Kühlerrahmen in zukünftigen Serienmodellen von Audi sehen werden – und schon bald auch in Ihrem Rückspiegel.



Das Audi Concept C präsentiert außerdem eine neue, ultra-minimalistische Lichtsignatur mit jeweils nur vier horizontalen Elementen an Front und Heck. Die erfrischende Schlichtheit des Konzepts setzt sich im Innenraum fort, der allen Zeitgeist-Ornamenten und digitalem Schnickschnack die Schlichtheit eines Zen-Tempels entgegensetzt: In hellen, natürlichen Titantönen gehalten und von dezentem Ambientlicht erhellt, besticht das Cockpit durch ein ausgewogenes architektonisches Understatement, das wohl selbst dem Meister des sinnlichen Architektur-Minimalismus, Peter Zumthor, gefallen würde. Im Mittelpunkt steht ein formschönes Lenkrad, während Schalter und Knöpfe aus eloxiertem Aluminium für haptische Haptik mit mechanischer Qualität sorgen – und einen unverwechselbaren „Audi-Klick“ versprechen.

Verstehen Sie uns nicht falsch: Das Audi Concept C ist kein analoges Retro-Auto, doch die intelligenten digitalen Technologien an Bord versprechen, stets verfügbar, aber nie aufdringlich zu sein. Ein zentral positioniertes, ausfahrbares 10,4-Zoll-Display stellt alle relevanten Informationen intuitiv, bedarfsgerecht und kontextbezogen dar. Audis neuer Ansatz, der als „Shy Tech“ bezeichnet wird, verspricht eine dringend benötigte Auszeit vom Formenflimmern auf Instagram, TikTok und der modernen digitalen Überwältigungskultur.

Mit einer neuen Designphilosophie, die in einer von schnelllebigen Trends und digitalen Ablenkungen geprägten Welt auf Klarheit und Einfachheit setzt, wagt Audi einen mutigen Schritt hin zu einer reduzierten und zeitlosen Ästhetik, um sich im zunehmenden Wettbewerb weiter zu differenzieren. „Radikale Einfachheit steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir erreichen Klarheit, indem wir alles auf das Wesentliche reduzieren“, sagt Chief Creative Officer Massimo Frascella. „So wie wir unsere Automobile gestalten, gestalten wir auch unser Unternehmen“, ergänzt Audi-CEO Gernot Döllner. Die neue Designphilosophie ist somit ein neues, ganzheitliches Unternehmensprinzip für Audi, das sich auch in der Organisationsstruktur des Unternehmens widerspiegeln soll. Döllner: „Klarheit ist Haltung und Kompass, der Audi in die Zukunft führt.“ Nach seiner Präsentation in Mailand wird das Audi Concept C auf der IAA in München zu sehen sein.


























