

Zwei Jahre ist es her, dass Classic Driver und Marks Feinkost sich erstmals zusammengetan haben, um während der IAA Mobility in München ein entspanntes Auto-Kaffee-Treffen zu veranstalten. Schließlich ist das von Cornelius Dornier gegründete und von Kaspar Triller geführte Feinkostgeschäft mit Café ein beliebter Treffpunkt der lokalen Autoszene, viele Sammler der Stadt starten hier in den Tag. Die erste Ausgabe unseres kleinen Events, schlicht „Marks & Cars“ genannt, war ein Erfolg – und wir waren unglaublich stolz auf einen Audi Le Mans-Rennwagen, den wir direkt vor den Café-Tischen parken konnten. Im September 2024 kehrte Marks & Cars mit einer Hommage an Marcello Gandini und die Ikonen des Keildesigns zurück und präsentierte zahlreiche Kreationen des Großmeisters, vom Maserati Khamsin bis zum BMW Garmisch.


Springen wir ins Jahr 2025. Unsere unschuldige Idee war es, bei der dritten Ausgabe von Marks & Cars den Geist des Motorsports mit einer Ausstellung cooler Rennstrecken-Spielzeuge zu feiern. Der Vorschlag wurde von unseren Freunden vor Ort und einigen der größten Automobilhersteller begeistert aufgenommen. Und an einem entspannten Dienstagmorgen stehen wir nun mit Kaffee und Croissant in der Hand vor Marks Feinkost am Kufsteiner Platz in München-Bogenhausen und dirigierten eine Flotte von sage und schreibe 28 Rennmaschinen – viele davon Siege bei den größten Rennen der Welt errungen und achtstellige Summen wert – zu ihren reservierten Parkplätzen am Straßenrand. In den letzten Monaten haben wir fieberhaft daran gearbeitet, eine Auswahl an Autos zusammenzustellen, die selbst eingefleischte Autonarren überraschen würden, und heute Morgen schien es, als hätten wir unser Ziel erreicht. Trotzdem mussten wir uns immer wieder die Augen reiben.



Direkt vor dem Café hatte das Porsche-Museum einige der größten Langstreckenrennwagen der Marke aufgestellt, angefangen mit einem Porsche 917 in Gulf-Lackierung, den Pedro Rodríguez und Leo Kinnunen 1970 bei den 24 Stunden von Le Mans fuhren, und einem Rothmans-Werks-Porsche 956, der 1983 von Jackie Ickx und Jochen Mass bei den 1000 Kilometern auf dem Nürburgring pilotiert wurde. Als Hommage an Jochen Mass – den grandiosen Rennfahrer und großartigen Menschen, der Anfang des Jahres verstorben ist – hatten unsere Freunde von Rennmeister einen leuchtend orangefarbenen Jägermeister Racing Porsche 962 mitgebracht, der einst ebenfals von Mass pilotiert wurde. Porsche wagte direkt danaben einen Sprung in die zeitgenössische Motorsportgeschichte und fügte dem Mix zwei erstaunliche moderne Rennwagen hinzu: einen der drei Porsche 919, die 2015 in Le Mans einen Dreifachsieg errangen, und einen Porsche 963, der 2024 die 24 Stunden von Daytona gewann. Wir bezweifeln, dass ein eine ähnliche Aufstellung jemals zuvor in München oder einer anderen Innenstadt zu sehen gewesen ist.



Doch gleich um die Ecke gibt es noch mehr zu sehen: Direkt vor den Tischen, an denen die Gäste von Marks & Cars ihren Morgenkaffee genießen, parkt eine weitere Motorsport-Ausstellung, angefangen mit einem Williams F1-Monocoque-Rennwagen aus dem Archiv von BMW Classic, gefolgt von eben jenem Bentley Speed 8, mit dem Tom Kristensen 2003 die 24 Stunden von Le Mans gewann. Diese atemberaubend elegante und beeindruckende Maschine hätte Rennsportfans wohl zum Zittern gebracht, doch hinter dem Bentley stand auch schon ein McLaren F1 GTR in Fina-Lackierung, der 1997 von BMW Motorsport bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start ging und von J.J. Lehto, Steve Soper und Nelson Piquet gefahren wurde. Nummer vier in der Reihe war einer unserer Kindheitshelden und absoluten Lieblingsrennwagen: der unvergessliche Audi 90 Quattro IMSA GTO mit seiner atemberaubenden Silhouette und den legendären Aero-Felgen.


Der Wahnsinn ging auf der anderen Straßenseite weiter, wo zwei weitere Le-Mans-Legenden lässig am Bordstein parkten. Da war zunächst der BMW V12 LMR Nr. 15, den Pierluigi Martini, Yannick Dalmas und Joachim Winkelhock 1999 bei den 24 Stunden von Le Mans zum Sieg fuhren und damit BMWs ersten und einzigen Gesamtsieg bei diesem prestigeträchtigen Rennen sicherten. Direkt dahinter parkte der LMP900 des Audi Sport Team Joest, der 2000 bei den 24 Stunden von Le Mans mit Frank Biela, Tom Kristensen und Emanuele Pirro am Steuer auf den ersten Platz fuhr. Den beiden Siegerautos folgte ein vergleichsweise filigraner, aber ikonischer und skulptural schöner March-BMW Formel-2-Monocoque-Rennwagen aus dem Jägermeister Racing-Stall, der einst von Jochen Mass gefahren wurde. Am anderen Ende der Parkplatz-Reihe standen anstelle der üblichen Volkswagen- und Volvo-Familienautos modernere GT-Klasse-Rennwagen aus den Ställen von Porsche Motorsportsund Bentley, die noch immer die Spuren ihrer Herausforderungen trugen.


In der Nähe der Bushaltestelle hatten wir uns an Rennsport-Könige aus der goldenen Ära des Motorsports erinnert, angefangen mit dem Shelby Ford GT40 Chassis GT 106 – dem berühmten schwarz-weißen Prototypen und Ford-Werkswagen, der 1965 bei den 24 Stunden von Le Mans von Bruce McLaren und Ken Miles gefahren wurde und eine atemberaubende Höchstgeschwindigkeit von 342 km/h erreichte. Bei Marks & Cars wurde er flankiert vom Ford Falcon Sprint von 1964, der regelmäßig von Bernd Georgi von Floyd und Vanina Ickx Floyd bei historischen Rennen pilotiert wird. Darüber hinaus gab es zwei bemerkenswerte Porsches, einen 3.0 RSR aus der Banzai-Garage und einen wunderschönen silbernen 904 GTS von unserem Weekend Heroes-Freund Christophe Schmidt – der übrigens vom ersten Tag an eine entscheidende Rolle bei Marks & Cars spielte und uns half, viele wichtige Autos zu beschaffen. Den Abschluss bildeten ein perlweißer Aston Martin DB3S aus der Golden Age Collection, den wir zuletzt beim ICE St. Moritz gesehen hatten, und der Alfa Romeo Guilietta SZ mit Kammheck von OKP Racing.


In diesem Jahr haben wir uns mit Ionity zusammengetan und das Zentrum des Kufsteiner Platzes den Elektrofahrzeugen der 1960er und 1970er Jahre gewidmet. BMW brachte den VDX-Prototyp mit, ein experimentelles Hochleistungs-Testfahrzeug mit 18.000 Nm Drehmoment und einem aktiven Aerodynamiksystem, das 1,2 Tonnen Abtrieb erzeugt. Präsentiert wurde das Auto vom gesamten BMW-Designteam, darunter Adrian van Hooydonk, Tobias Krengel und Oliver Heilmer, die mit ihrem frisch vorgestellten BMW Neue Klasse iX3 bei Marks & Cars erschienen. Direkt neben dem BMW stand der atemberaubende Audi S1 Hoonitron, der vollelektrische, einmalige Prototyp eines Gymkhana-Rennwagens, inspiriert vom originalen Audi Sport Quattro S1 Quattro und den Pikes-Peak-Monstern der 1980er-Jahre, den der verstorbene Driftkünstler Ken Block 2022 durch Las Vegas manövrierte.


Auf der anderen Seite der Ionity-Ladesäule standen ein siegreicher Formel-E-Rennwagen aus der Auriga-Kollektion und ein Rimac Nevera R. Kurz nach Beginn der Veranstaltung teilte sich die Menge auf dem Kufsteiner Platz für einen dunkelblauen Bugatti Chiron Supersports mit kroatischen Kennzeichen, gefahren von Mate Rimac – dem charismatischen CEO von Bugatti und Rimac, der uns freundlicherweise seine Vision einer elektrifizierten Zukunft des Automobils erläuterte.

Es war das erste einer Reihe von Gesprächen, die von Classic Drivers CEO J.P. Rathgen moderiert wurden. Nach diesem Blick in die Zukunft der Mobilität tauchten die nächsten Vorträge tief in die Geschichte des Motorsports ein: Markenerbe Ferdi Porsche, der mehrfacher FIA-Meister und Le-Mans-Sieger Marc Lieb und Bastian Schramm, Marketingleiter von Porsche Deutschland, gewährten den Zuhörern Einblicke in die Arbeitsabläufe der Porsche-Motorsportabteilung und die Geschichte von FAT International, während der Bentley-CEO und ehemaliger Porsche-Motorsportstratege Frank-Steffen Walliser höchst unterhaltsame Erinnerungen aus seiner Rennfahrerzeit teilte.


Zu guter Letzt konnten wir sogar zwei echte Rennsporthelden aufbieten: Karl Wendlinger war einst in allen Motorsport-Genres unterwegs gewesen, von der Formel 1 über die DTM bis hin zur FIA GT, während Tom Kristensen mit neun Le-Mans-Gesamtsiegen mehr als jeder andere Rennfahrer jemals erringen konnte. Tom war aus seiner Heimat Dänemark eingeflogen und freute sich, zwei seiner Le-Mans-Siegerautos wiederzusehen: den Audi Sport Team Joest LMP900 und den Bentley Speed 8, der bei einem kurzen Sit-in noch immer wie angegossen passte.


Trotz zwischenzeitlicher Regengüsse war die Stimmung in der schnell wachsenden Menge ausgezeichnet: Mit Champagner und Leberkässandwich in der Hand, trafen sich lokale und internationale Autoenthusiasten und unterhielten sich an der Bar von Marks Feinkost und auf den Straßen zwischen den Autos über die Höhepunkte der Autokultur. Kinder streichelten abgefahrene Reifen und Hunde schnüffelten neugierig an Auspuffen. Unsere Freunde von Audi, BMW, Bentley, Porsche, Rennmeister, Typ 7 und Ruf unterhielten sich wie eine große Autofamilie, und sogar die „Big Boys“ der US-Automobil-Sammlung, Bruce Meyer und Chip Connor, kamen vorbei, um sich vor Ort die Autos anzusehen. Und gerade als wir dachten, wir wären bereits im Motorsport-Himmel angekommen und und nichts könnte uns heute mehr überraschen, rollte ein schwarzer Porsche Cayenne auf den Kufsteiner Platz, um Orlando Bloom abzusetzen. Der Schauspieler war mit Porsche in der Stadt und verlieh unserem kleinen automobilen Kaffeetreffen eine echte Portion Hollywood-Flair.



Am Morgen danach kneifen wir uns natürlich noch immer in die Unterarme. Ist das alles das wirklich passiert? Oder war es nur ein Traum? Schließlich bezeichnete Porsches einflussreicher Typ 7-Kanal unsere Veranstaltung bereits begeistert als „eines der besten Cars-and-Coffee-Treffen der Welt“. Wie sollte man das in den Schatten stellen? Falls es keine Fata Morgana war, waren wir uns alle einig, dass wir Marks & Cars natürlich wiederholen sollten. Und zwar schon nächstes Jahr, auch wenn es 2026 keine IAA gibt. Und vielleicht, wer weiß, auch irgendwo anders außerhalb unserer Blase in München und Deutschland. In den bescheidenen Think Tanks hinter Marks & Cars – dem holzverkleideten „Marks Büro“, dem Backoffice hinter der Feinkostküche, und den Räumen von Classic Driver und seiner Kreativagentur CD Works in Zürich – nehmen derweil weitere Ideen Gestalt an. Bald ist es Zeit, Pläne zu schmieden. Aber zuerst brauchen wir einen Kaffee!
Fotos by Stephan Bauer for Classic Driver






































































































